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Texte zur und über Pornografie |
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dieser, zugeben sehr exponierten Stelle, möchten wie Ihnen in Zukunft
nicht nur die Rezension über das ein oder andere Meisterwerk der
Pornografie bzw. Pornofilms und erotische Klassiker anbieten, sondern
zudem Texte zur Pornografie präsentieren. Dieses können Texte sein,
die sich wissenschaftlich mit Thema auseinandersetzen. Doch auch Texte,
die sozusagen aus dem Bauch heraus entstanden sind, werden folgen genau
so wie bloße pornologische Alltagbetrachtungen. Die Rezensionen
bzw. Pornofilmkritiken kommen dabei natürlich nicht zu kurz, doch
auch ein intellektueller Diskurs über Pornografie verspricht interessant
und spaßig zu werden. Und wir sind fest davon überzeugt, dass
dies hier der richtige Ort dafür ist, denn hier sind wir jenseits
der hektischen Wirren des Internets in einem abgeschiedenen Raum der Freiheit.
Wir sind hier ungestört und können uns daher unvoreingenommen
dem Phänomen des Pornofilms, dem Märchenfilm für Erwachsene
stellen.
Sind Pornofilme Märchenfilme für Erwachsene? Oder gilt diese Bezeichnung nur für Retropornos, die Klassiker der Pornografie bzw. Klassiker des Pornokinos weil sie im Vergleich zum heutigen Pornofilm eher kunstvoll daherkommen? Und wie verhält es sich mit Sexplotation-Filmen? Mit diesen Fragen möchten wir Sie für heute alleine lassen und hoffen Sie finden darauf Ihre Antwort. Haben Sie eine gefunden, so würden uns freuen, wenn Sie uns die Antwort mitteilen und hier vielleicht zur Diskussion stellen. Wir werden unsere Antwort auf diese Frage hier demnächst ausführlich darlegen. Bis dahin lesen Sie doch die Sexfilmkritiken, die wir bis heute für Sie verfasst haben. Wenn Sie eine bebilderte Version zu den Filmkritiken sehen möchten oder einen der besprochenen Filme käuflich erwerben wollen, so gehen Sie in Bis bald! Ihre 6filme-Redaktion |
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BEHIND THE GREEN DOOR (USA 1975) Eine Frau wird entführt. Wir erfahren nichts über sie und auch nichts über das Motiv der Tat. Ist es überhaupt eine Entführung? Sonderlich empört wirkt sie jedenfalls nicht, als sie auf ein kleine Theaterbühne geleitet und dort sogleich von einer Schar junger Damen entkleidet und sexuell stimuliert wird. Auch genießt sie es, als ein großer schwarzer Mann die Bühne betritt und sie vor den Augen eines dekadenten, sich in einer Orgie verschmelzenden Publikums, vögelt. Zum Ende der seltsamen Darbietung nähern sich auf akrobatische Art vier Männer und ejakulieren über ihrem Gesicht. Diese Cum-Shot-Szene ist das Psychedelischste, was es je in einem Pornofilm zu sehen gab. Sieben Minuten lang sehen wir in schrillen Farben und zu schräger Musik das Sperma fliegen. Zum Schluss nimmt ein netter Herr die Frau mit nach Hause. Dort sind die Beiden noch in einer etwas konventionelleren, doch entzückenden Szene zu sehen. BEHIND THE GREEN DOOR ist ein sinnliches Kammerspiel mit streckenweise experimentellen Zügen. Die Sexszenen sind sehr explizit, doch meist viel zu abstrakt, um im strengem Sinn pornografisch zu sein. Erotik mit Gesellschaftskritik zu verbinden, hat sich dieser außergewöhnliche Film zum Ziel gemacht. Zu bedenken ist, dass Rassismus in Amerika 1975 ausgeprägter war als heute und das für viele weiße Amerikaner Sex mit Schwarzen ein Skandal war. Auch die Sexualität der Frau stand noch vor ihrer Befreiung. Beiden Themen nimmt sich der Film auf simple, doch sehr kunstvolle Weise an. Große Publicity erhielt der Film durch Marilyn Chambers, die kurz vor Begin der Dreharbeiten noch schnell ihre Schauspielausbildung abgeschlossen hatte. Sie war dem Publikum schon vor der Premiere als das hübsche Mädchen einer Seifenwebung bekannt. Dass eine solch populäre und bildhübsche Frau in einem Porno mitspielt, war für viele Menschen unbegreiflich und ließ die Branche urplötzlich in einem anderem Licht erscheinen. Gut möglich, dass der Film ohne das Mitwirken von Marilyn Chambers nur kurz in Sex- und lange in Underground-Kinos gelaufen wäre. So aber kam alles ganz anders: Sensationslustige Kinobesucher sahen einen Film der aufzeigte, wie fließend die Grenzen von Porno und Kunst sind und gingen oftmals verwirrt nach Hause. Die Entscheidung für Marilyn Chambers war aber in jedem Fall richtig, denn sie spielt bezaubernd charmant und absolut überzeugend. Regie: Artie Mitchell, James Mitchell (The Mitchell-Brothers) Darsteller/Innen: Marilyn Chambers, George S. McDonald, Johnnie Keyes, Lisa Grant, Yank Levine, Toad Athell, Ben Davidson, Adrienne Mitchell, Dana Fuller, u.a. Laufzeit: 70 Minuten |
DEBBIE DOES DALLAS (USA 1978) Debbie (Bambi Woods) und ihre Freundinnen wollen Geld auftreiben, um als Cheerleader ihre Mannschaft zu einem Turnier begleiten zu können. Die Jobsuche gestaltet sich schwierig, doch da die Mädels allesamt sehr hübsch sind, bietet sich ihnen schon bald eine lustbringende und lukrative Einnahmequelle... Nacheinander ist jedes der Mädchen in Aktion zu sehen. Die finale Szene zeigt schließlich Debbie, die eine bezaubernde Performance abliefert. Unter dem Titel THE BEST LITTLE WHORE IN TEXAS! sollte diese wunderbar schmuddelige Pornoperle ursprünglich in die Kinos kommen. Um Ärger mit der Justiz zu vermeiden, einigte man sich auf DEBBIE DOES DALLAS. Das tat dem Erfolg des Films kein Abbruch. Er gehört zu den finanziell erfolgreichsten Pornos aller Zeiten und ist noch heute in den Top-10-Listen der Liebhaber erotischer Filmkunst zu finden. Was DEBBIE DOES DALLAS zu einem hervorragenden Film macht, sind allein die rasanten und ungewöhnlich locker inszenierten Sexszenen. Damit gehört er zu den Klassikern, die den besseren Pornofilmen der Gegenwart am ehestem dramaturgisch entsprechen. Dh. er hat eine Story, in der nicht versucht wird, irgendeine komplexe Spielfilmdramaturgie zu entwickeln, sondern die konsequent und plauisibel von einer Sexszene zur anderen führt. In den Sexszenen wiederum verlässt sich der Film ganz auf die Wirkung der nackten Körper auf den Betrachter. Keine Spur von der Effekthascherrei, in die viele ambitionierte Pornofilme verfallen. Nur sehr geschmackvolles 70er-Ambiente und meist sehr groovige Musik, wird als Stilmittel zugelassen. Ansonsten ist alles schlicht und einfach inszeniert. Ein wenig überrascht es daher schon, dass ausgerechnet dieser Film es war, der als erster Porno den Weg zur Bühne fand. Im August 2001 hatte DEBBIE DOES DALLAS am Broadway Premiere. Verdient hat der Film diese späte Ehrung allemal, denn DEBBIE DOES DALLAS hat bis heute nichts an Esprit eingebüßt. Ein Meilenstein, der den heutigen Produktionen in Bezug auf Schärfe in nichts nachsteht, doch der sie in Sachen Coolnes locker hinter sich lässt. Regie: Jim Clark Darsteller/Innen: Bambi Woods, Misty Winter, Robyn Byrd, Pat Allure, Paula Head, Kasey Rodgers, Georgette Sanders, Sherri Tart, Merill Townsend, Rikki O'Neal, Arcadia Lake, u.a. Laufzeit: 81 Minuten
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THE OPENING OF MISTY BEETHOVEN (USA 1976)
Die Story des Films ist angelehnt an die von My Fair Lady: In einem Sexkino trifft ein gewisser Dr. Love (Jamie Gillis) auf die Prostituierte Misty Beethoven (Constance Money). Er ist von ihr begeistert und fest entschlossen, sie zum Golden Rod-Girl, zur sexuellen Universalkünstlerin zu machen. Nach kurzem Zögern willigt Misty in den Plan ein, und schon bald erlebt sie alle Höhen und Tiefen des Daseins als Schülerin. Wie fast alle anderen Filme von Regisseur Radley Metzger (THE PUNISHMENT OF ANNE, NAKED CAME THE STRANGER, THE PRIVATE AFTERNOONS OF PAMELA MANN), kann THE OPENING OF MISTY BEETHOVEN neben seriösen Filmen schauspielerisch und dramaturgisch locker bestehen. Es handelt sich hier um einen durchweg witzigen und intelligenten Film, der es eher mit Woody Allen gemein hat, als z.B. mit DEEP THROAT. Und das ohne dabei in Verdacht zu geraten, gar kein Porno zu sein, denn der Film hat mehr und vor allem wesentlich prickelnderen Sex zu bieten als DEEP THROAT. Auf die Frage nach ihrem Namen, antwortet die Heldin des Films: "Misty Beethoven". Ihr wirklicher Name? "No, it's not, but I think it's sounds more important." Was ist ihr richtiger Name? "Dolores Beethoven". Solche Dialoge sind leider sehr selten im Pornofilm. Lustige Anekdote am Rand: Aufgrund der Szene, in der Misty und eine Freundin einen Mann mit einem Dildo verwöhnen, landete der Film gelegentlich in der Rubrik Gay-Film.Der bunte Reigen erotischer Spielchen gespickt mit Pop-Art-Motiven den dieser Film bietet, lässt die Herzen von Pornofans und Cineasten höher schlagen. Alles ist elegant gefilmt und toll gespielt. Regisseur Henry Paris schafft es die Handlung so mit Erotik und Sex zu verbinden, dass keines dieser Elemente zum Fremdkörper verkommt. So wurde THE OPENING OF MISTY BEETHOVEN schließlich auch mit dem ersten Porno-Award ausgezeichnet und lief zudem sieben Jahre ununterbrochen in den amerikanischen Sexkinos .
Regie: Radley Metzger, aka Henry Paris Darsteller/Innen: Constance Money, Jaqueline Beudant, Jamie Gillis, Terry Hall, Gloria Leonard, Jenny Baxter, Mary Stuart, Marlene Willoughby, Ras King, Casey Donovan, Janet Baldwin, Cynthia Gardener, Helen Simone, Marlene Parker, u.a. Lauzeit: 84 Minuten
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JOSEFINE MUTZENBACHER ...WIE SIE WIRKLICH WAR - Teil 1 (Deutschland 1976) Die Verfilmung des Lebensweges der Wiener Dirne ist der erfolgreichste und vielleicht beste deutsche Pornofilm. Selbst in den USA schlug er unter dem Titel SENSATIONAL JANINE hohe Wellen. Schade nur, dass die Amis den Film in englischer Synchronfassung sehen mussten. So blieb ihnen ein Schmanckl des Films vorenthalten: der witzige Wiener Dialekt, der zum ersten mal in einem Porno so zum tragen kam und der hierzulande sehr zu seiner Popularität beitrug. Der Film nicht nur sehr kultig, sondern auch von hohem pornografischen Reiz. Das liegt vor allem an Patricia Rhomberg! Sie spielt die Mutzenbacher absolut überragend und haucht dieser historischen Figur auf sehr anregende Art viel Leben ein. Sie ist somit auch dafür verantwortlich, dass die nachfolgenden Teile so schlecht sind: Patricia Rhomberg stand nämlich nur für den 1. Teil zur Verfügung. In Teil 2, 3 und 4 sah Regisseur Hans Billian sich leider genötigt, sich in fürchterlichen Blödelein zu verlieren um von Patricias mittelmäßigen Nachfolgerinnen abzulenken. Im 1. Teil steht sie zum Glück im Zentrum aller Sexszenen. Diese sind manchmal etwas albern und überdreht, doch zugleich sehr explizit und facettenreich und damit völlig untypisch für einen deutschen Pornofilm. Die Schauspielerinnen und Schauspieler neben Patricia glänzen durch Einfachheit. Es scheint, als kommen sie allesamt direkt aus dem Volk, was dem Film eine zusätzliche Authentizität verleiht. Am Anfang des Films sehen wir Josefine als Teenager. Jede Nacht quält sie das immer stärker werdende Verlangen endlich gevögelt zu werden. Zu masturbieren, verschafft ihr nur geringe Erleichterung und so dauert es nicht lange bis zum ersten sexuellen Kontakt. Zunächst gibt sie sich mit einem Blowjob zufrieden, doch kurz darauf verliert sie ihre Unschuld an einen kräftig gebauten Kerl, der natürlich keine allzu großen Anstalten macht, sich den Begierden dieses nymphenhaften und ungestümen Mädels zu widersetzen. Von da ab taumelt unsere Heldin durch zahlreiche erotische Abenteuer und ein Höhepunkt jagt jetzt den nächsten. In einer Szene kommt Josefine gleich dreimal in den Genuss eines kräftigen Spermaregens, und das von ein und denselben Liebhaber. Einen kleinen Seitenhieb auf die Moralapostel der Gesellschaft gibt es u.a. durch die Szene mit dem Pfaffen, welcher sich als durchtrieben und sexgierig entpuppt und der seine Position gegenüber Josefine schamlos ausnutzt. Doch von so einem Menschen lässt sich Josefine nicht aus dem Konzept bringen und sie verfolgt gradlinig den Weg ihrer Bestimmung: Sie will eine Hure aus Passion zu werden und möglichst viel Vergnügen an dieser Tätigkeit haben. Vor unseren Augen verwirklicht sich Josefine ihren Traum. Ihr dabei zusehen zu dürfen, ist ein Vergnügen! Regie: Hans Billian Darsteller/Innen: Patricia Rhomberg, Marie-France Morel, Sepp Gneissl, Siggi Buchner, u.a. Laufzeit: 91 Minuten |
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THROUGH THE LOOKING GLASS (USA 1976) Dieser Film ist einer der wenigen Pornos, der es auf Grund seiner Extravaganz bis in die Feuilletons der großen Zeitungen schaffte und der auch in seriösen Kinos erfolgreich war. Und um Verwechselungen gleich vorzubeugen: THROUGH THE LOOKING GLASS hat nichts zu tun mit dem im selben Jahr entstandenen Pornomusical ALICE IN WONDERLAND. Beide Filme sind zwar angelehnt an Lewis Carroll's Märchen, doch schon auf Grund der konträren Stimmungslagen sind sie als jeweiliges Gegenstück zu sehen. THROUGH THE LOOKING GLASS ist kein fröhliches Singspiel, sondern ein befremdlicher und spannender Psycho-Porno. Catharine Burgess spielt eine etwas spröde Dame der oberen Gesellschaft. Ihr Vater vermacht ihr ein großes Anwesen, welches sie sofort bezieht und in welchem sie auf einen seltsamen Spiegel trifft. Vor dem Spiegel masturbierend bekommt sie Visionen, die ihren Vater auferstehen bzw. in Horrorfilmmanier aus dem Spiegel treten lassen. Catharine nimmt die Einladung ihres Vaters zu einem Trip auf die andere Seite des Spiegels an. Von dem Treiben dort, ist sie stark beeindruckt: Überall verlustieren sich merkwürdige Leute bei ausgeflippten Sexspielchen. Hin und hergerissen wandelt Catharine von nun an zwischen den Welten. In der kleinen Welt ihres Hauses gerät sie zunehmend in Konflikt mit ihrem Mann. Die beunruhigende, doch lustvolle Welt des Vaters lockt so umso mehr. Schließlich will sie der Macht des Spiegels und ihrem untoten Vater jedoch entfliehen. Es gelingt nicht, und eines Nachts masturbiert Catharine wieder vor dem Spiegel. Der Vater tritt finster wie ein Satyr heraus und vögelt sie brutal, ehe er sie entgültig mit auf die andere Seite nimmt. Die Welt dort präsentiert sich jetzt als unheilschwangere Wüstenlandschaft und Catharine merkt, dass sie in einer Sex-Hölle mit fiesen Verrückten gelandet ist. Ein Zurück gibt es jetzt nicht mehr. Das böse Ende wird schließlich noch dadurch untermauert, dass Catharines Tochter Anstalten macht den selben Weg zu gehen. Das Erbe des Spiegels setzt sich fort. Auf dem Cover der vorliegenden DVD steht, dass dieser Film so wirkt wie die Malerei von Hieronymus Bosch. Ob das wirklich stimmt, kann an dieser Stelle nicht abschließend geklärt werden, doch eines ist sicher: THROUGH THE LOOKING GLASS ist ein großartiger Film mit absonderlichen, dramatischen und nicht zuletzt sehr erotischen Bildern. Regie: Jonas Middleton Darsteler/Innen: Catherine Burgess, Laura Nicholson, Jamie Gillis, Terry Hall, Kim Pope, Ultra Max, Bobby Astyr, Nancy Dare, Al Levitsky, u.a. Laufzeit: 91 Minuten |
CAFÉ FLESH (USA 1982) Ein Atomkrieg hat die Erde in eine apocaplytische Einöde verwandelt. Radioaktive Strahlung hat die Menschen in zwei Lager gespalten: Sex-Negative und Sex-Positive. Die Negativen, die zwar ein dringendes Verlangen nach Sex haben, doch die bei jeder sexuellen Handlung Schmerzen verspüren und krank werden, bilden 99% der Bevölkerung. Die Minderheit, die Positiven, kann ohne Einschränkungen vögeln und zeigt das in Nachtclubs wie dem Café Flesh. Dort werden die Negaitiven mit den erotischen Darbietungen in den Wahnsinn getrieben. Lana, obwohl heimlich sex-positiv, hat sich für ein Leben als Negative entschlossen, um an der Seite ihres geliebten Mannes leben zu können, der leider sex-negativ ist, auch wenn das die Verdrängung ihrer wahren Natur bedeutet. Als sie im Café Flesh mit realen Sex konfrontiert wird, beginnt ihre Fassade zu bröckeln. Das Besondere an CAFÉ FLESH ist u.a. sein bizarres Styling, welches an dem im selben Jahr entstandenen New-Wave-Drogenfilm LIQUID SKY erinnert. Gleich die erste Szene beginnt mit als Babys verkleideten Männern die mit einem Knochen in der Hand rhythmisch ihre Köpfe hin und her bewegen. Unter eigenartiger Neonbeleuchtung sehen wir dann eine Frau in einem altmodisch anmutenden Sessel sitzen. Als dann eine weiß gekleidete Ratte die Bühne betritt, kommt es zu den ersten sexuellen Handlungen zwischen dem Fabelwesen und der jungen Dame. Der Plot des Films stellt wohl den philosophischen Zenit des Pornofilms dar: Die Geschichte einer Frau, die ein Leben in sexueller Abstinenz lebt, nur um für die geistige Liebe zu leben und die Sache mit den Sex-Negativen und Sex-Positiven.Die Negativen sind die passiven Beobachter, die Zuschauer, die sich nach den schönen Körpern sehnen. Die Positiven sind Prominente, deren Sex-Shows gefeiert werden. So nimmt der Film auf sehr erotische und humorvolle Art das Verhältnis zwischen Publikum und Produzent aufs Korn. Stil und Dramaturgie des Films deuten darauf hin, dass Regisseur Steven Sayadian (der sich hier als Rinse Dream ausgibt) mit CAFÉ FLESH tatsächlich auch auf das Genre Kunstfilm und dessen Publikum zielte. So zeigt er, wo der Pornofilm stehen könnte, wenn mehr Regisseure den Mut hätten, die Schnittmengen von Porno und Kunst konsequent auszuloten. Wenn also irgendwann ein Pornofilm Einzug hält in das Museum Of Modern Art, dann dieser. Spätestens seit das TEXAS CHAINSAW MASSACRE dort seinen festen Platz hat, ist deutlich, wie in Verruf geratene Werke schnell offiziell zu Kunst erklärt werden können. Das macht die Redaktion von 6filme.org hiermit: CAFÉ FLESH ist Pornokunst vom Allergeilsten. Regie: Stephen Sayadian Darsteler/Innen: Andy Nichols, Paul McGibboney, Michelle Bauer (Pia Snow), Marie Sharp, Darcy Nichols, Dennis Edwards, Kevin James, Paul Berthell, Richard Belzer, u.a. Laufzeit: 72 Minuten |
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DEEP THROAT (USA 1972) Linda (Linda Lovelace) kommt beim Sex nie zum Orgasmus. Ein Arzt (Harry Reems) findet den Grund: Linda hat ihre Klitoris im Hals. Linda beginnt mit ausgiebigen Blasübungen und findet schließlich ihr Glück. Der Plot des Films ist originell, und dennoch ist DEEP THROAT nicht nur der bekannteste, sondern auch der qualitativ schlechteste unter den Pornoklassikern. Seinen Ruhm verdankt er dem Zufall der erste Porno zu sein, der mit einem verhältnismäßig hohen, angeblich aus Mafiakreisen stammenden Budget von 25,000$ ausgestattet war und der entsprechend professionell gedreht und vermarktet wurde. Verhältnismäßig hoch war schließlich auch der Ertrag. Der Film spielte über 600 Millionen Dollar ein. Die Entstehungsgeschichte des Films sorgte immer wieder für Rummel und lasst ihn bis heute in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Die im Jahr 2002 im Alter von 53 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommene Hauptdarstellerin Linda Lovelace, soll zum Sex vor der Kamera gezwungen worden sein. Lovelace, die in den 80er Jahren zur einer Protagonisten der Anti-Porno-Bewegung wurde, schrieb nach ihrem Ausstieg aus der Pornobranche, dass es ein Verbrechen ist, den Film heute noch zu zeigen, weil jede Person, die den Film sieht, einer Vergewaltigung zuschaut. Von anderen Branchenkennern wird das wiederholt bestritten. Lindas Auftreten im Film wirkt jedenfalls sehr locker und auch die Zeichen von Gewalteinwirkung an ihrem Körper, die Gegner des Films gesehen haben wollen, sind nicht zu erkennen. Herausgekommen ist in knapp 10 Drehtagen eine billige, historisch wichtige, doch bestenfalls amüsante Klamotte, die wenig sexy ist. Schauspielerische Qualität ist kurioserweise nur bei Linda Lovelace vorhanden und auch Harry Reems, dem für seinen ersten Filmauftritt 5 Jahre Haft drohten, spielt zumindest lustig den Part des durchgeknallten Arztes. Die Musik ist gelegentlich funky, doch ihr Einsatz kommt hölzern daher; die Pornoszenen sind ohne jeden Esprit und größtenteils dilettantisch. Von dem Können, welches Regisseur Gerard Damiano wenig später mit THE DEVIL IN MISS JONES, MEMORIES WITHIN MISS AGGIE und THE SATISFIERS OF ALPHA BLUE gezeigt hat, ist er hier weit entfernt. Auch Damiano selbst hält seinen berühmtesten Film für nicht gelungen. Die Brisanz des Films war also nicht seiner Qualität geschuldet, sondern allein seiner sozialen Sprengkraft, die sich im gesellschaftlichen Klima der 70er-Jahre voll entfalten konnte. DEEP THROAT bzw. das Thema Oralverkehr waren Tagesgespräch, und nachdem sogar die New York Times über den neuen PornChic berichtete, standen Menschen aus allen sozialen Schichten stundenlang für eine Kinokarte an. Die renommierte Feministin Camillia Paglia äußert sich in der Dokumentation INSIDE DEEP THROAT (USA, 2004) wie folgt über den Skandalfilm: "DEEP THROAT war ein Meilenstein in der Geschichte der modernen Sexualität. Zum ersten Mal gingen die bürgerlichen Frauen der Mittlelschicht ins Pornokino. Er hat wirklich die traditionellen Anstandsregeln niedergerissen." Was folgte, waren nicht nur diverse Auseinandersetzungen mit der Justiz und der amerikanischen Regierung unter Richard Nixon, die mit allen Mitteln versuchte, den Film zu verbieten, sondern auch das vielzitierte Golden Age Of Porn. Einen Pornofilm zu sehen hatte etwas von Rebellion und viele hochambitionierte Regisseure hatten nur eines im Sinn: an dieser Rebellion teilhaben und den besten Porno der Welt drehen. Trotz seiner Mittelmäßigkeit haben wir dem Film also viel zu verdanken. Regie: Gerard Damiano Darsteller/Innen: Linda Lovelace, Harry Reems, Dolly Sharp, Bill Harrison, William Love, Carol Connors, Bob Philips, u.a. Laufzeit: 60 Minuten |
SENSATIONS (Holland 1975) SENSATIONS schildert die erotischen Abenteuer, die Margaret und ihre Freundin Julie in Amsterdams Künstlerszene erleben. Während Margaret zuerst nicht weiß, was sie von den frivolen Spielchen der Leute halten soll, gibt sich Julie schnell den süßen Verlockungen hin. Nach einem Besuch bei einer sexhungrigen Kunstsammlerin und bei ihrem SM-veranlagten Freund, bedarf es nur noch einer kurzen Diskussion unter Freundinnen, dann ist schließlich auch Margaret bereit, es mit der freien Liebe zu probieren. Gut gelaunt besuchen die Damen eine Vernissage, die (wie könnte es anders sein?) erotische Kunst zum Thema hat. Auf der sich anschließenden Party geht es dann mächtig zur Sache und eine sehr ausgefeilte Tour-de-Porn nimmt ihren Lauf. Sexfreaks jeglicher Couleur gehen kreativ und extrem zu Werke. Eine sonderbare Frau masturbiert vor Partygästen mit einem Zauberstab, eine andere pisst einem glühenden Verehrer in den Mund, ein Mann leckt einer eleganten Dame den mit Kokain benetzten Kitzler und gekifft wird natürlich auch viel. Zum Ende der Party, wendet sich die illustre Runde Margaret zu. Frauen und Männer beginnen sie zu lecken und zu beißen. Sie wird nach allen Regeln der Kunst tatsächlich vernascht, denn auf dem Höhepunkt von Margarets Lust, löst sich die Heldin des Films plötzlich in Luft auf. Von einer Sekunde auf die andere ist sie weg, und dieser zauberhafte Film ist zuende. SENSATIONS ist erotisches Kino in höchster Vollendung. Porno-Pabst Lasse Braun (sie auch SEX MANIACS und AMERICAN DESIRE) vereinigt hier Porno, Kunst und Hippietum auf leichte und fast surealistische Art. Das herbstliche Amsterdam und das liberal-hedonistische Klima in der Stadt und die Drogen müssen sich magisch auf den Regisseur und seine Crew ausgewirkt haben. Intelligente Dialoge über Sex und Moral überlagern sich mit filigranen Analsex- oder Blowjobszenen im schönsten Ambiente. Der sonderbaren Atmosphäre des Films kann man sich so nur schwer entziehen. Mit Brigitte Maier hat der Film zudem eine entwaffnend hübsche und interessante Hauptdarstellerin. Sie scheint tatsächlich etwas schüchtern zu sein, und das passt fabelhaft zu dem Eindruck, dass die anderen Damen und Herren tatsächlich exhibitionistisch veranlagte Hedonisten zu sein scheinen. Auch der Soundtrack des Films verdient es hervorgehoben zu werden. Noch nie wurde in einem Porno so sensibel mit Musik umgegangen. Der zuckersüße Titelsong steht dabei im harten Kontrast zu dem, was wir während des Films sonst an durchgedrehter, doch stets cooler Hippie-Mucke hören. SENSATIONS war natürlich ein voller Erfolg. Der Film wurde sogar bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gezeigt und ließ dort so manchen Mainstreamfilm blass aussehen. Wer also auf der Suche nach dem ultimativen Avantgarde-Porno ist, dem sei SENSATIONS unbedingt empfohlen. Prädikat: BESONDERS WERTVOLL! Regie: Lasse Braun Darsteller/Innen: Brigitte Maier, Tuppy Owens, Eva Quang, Frédérique Barral, Nathalie Morin, Nicole Velna, Tania Busselier, Trixie Heinen, Véronique Mone, u.a. Laufzeit: 75 Minuten
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THE DEVIL IN MISS JONES (USA 1973) Mit einer flehentlichen Aufforderung zum Geschlechtsverkehr und mit sehr bedrohlicher Musik beginnt und endet THE DEVIL IN MISS JONES, der wohl düsterste Film der Pornogeschichte: "Put your cock in me! I can't do it by myself. Touch me, please!" fleht eine masturbierende Frau (Georgina Spelvin). Die Kamera fährt durch den Raum, der einer Gefängniszelle gleicht und ein Mann (Gerard Damiano!) kommt ins Bild. Dieser antwortet geheimnisvoll mit den Worten: "He is here..." Die Rede ist vom Teufel. Er schwebt irgendwo in der Zelle und er hat Miss Jones einen Mann an die Seite gestellt, der nicht gewillt ist sie sexuell zu befriedigen. Mit ihm muss Miss Jones auf ewig zusammnenhocken. Das ist natürlich die Hölle. Eine, ohne Ausgang leider und was existentialistisch klingt, soll genau das sein, denn schließlich hat sich der Meister des subversiven Pornofilms, Gerard Damiano, hier von Jean-Paul Sartres Drama NO EXIT inspirieren lassen. Wie Miss Jones diese aussichtlose Situation hereingeraten ist, erfahren wir in der zweiten Sequenz: An einem verregnetten Tag wandelt Miss Jones durch ihre Wohnung. Sie lässt sich ein Bad ein, steigt hinein und schneidet sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern auf. Wir sehen sie sterben und schon einen Moment später findet sie sich irgendwo zwischen Himmel und Hölle wieder. Hinter einem schlichten Holztisch sitzend, verkündigt ihr ein netter Herr, dass es im ihren Fall keine Wahl gibt, sondern dass sie in die Hölle muss, da sie mit ihrem Selbstmord eine unverzeihliche Tat begangen hat. Miss Jones hört das mit Fassung. Leider fällt ihr erst jetzt ein, dass sie zu Lebzeiten etwas außer Acht gelassen hat: die Lust. Sie ist tatsächlich als Jungfrau gestorben und soll als solche in der Hölle schmoren. Der Gedanke ist ihr unerträglich, und auch dem Sekretär der höheren Macht ist dies der Strafe zu viel. Über den Kopf seines Chefs hinweg, bewilligt er Miss Jones einen kurzen Aufschub, damit sie die Sache mit der Lust nachholen kann. Er zeigt auf eine Tür, durch die Miss Jones gehen soll und hinter dieser Tür geht es dann schließlich los: In sehr drastischen Szenen sehen wir Miss Jones alle Spielarten der Lust erleben. Es kommt, wie es kommen muss: Die Lust gefällt Miss Jones so gut, dass ihr das Leben jetzt generell viel lebenswerter erscheint. Doch es gibt kein Zurück. Der Weg in die Hölle ist für sie jetzt um so härter. Eine traurige Story - ein verstörend betörender Film! Ein Porno, der einen Selbstmord im Detail zeigt, ein Porno ohne eine leise Hoffnung auf ein Happy End - das ist einzigartig. Aussichtsloses, unstillbares Verlangen treibt Miss Jones an. Die Grundstimmung des Films ist dementsprechend pessimistisch. Das Zusammenspiel von schräger Musik, hartem Sex, und harschen, oft verzweifelten Worten, die Miss Jones an ihre Liebhaber richtet, verstärken diesen depressiven Eindruck. Die Bilder sind karg und schroff. Nie wird es in diesem Film hell. Der Teufel wirft auf jede Einstellung seinen Schatten. Von Hochglanzerotik keine Spur. Hart und schmutzig geht es zu (Ausnahme: die sehr zärtliche Lesbenszene). Die pornografischen Szenen sind trotzdem von bizarrer Schönheit und hocherotischer Sprengkraft. Georgina Spelvin als Miss Jones spielt hervorragend! Ähnlich wie der Nachfolger MEMORIES WITHIN MISS AGGIE, ist THE DEVIL IN MISS JONES ein Porno, welcher am besten an einem trüben Novembertag anzuschauen ist. Stimmungsaufhellend wirkt dieses spröde und deprimierende Werk zwar auf keinen Fall, doch mit Miss Jones kommt zum Trost Hardcore im allerwörtlichsten Sinn ins Haus. Es wurden tatsächlich schon Stimmen laut, die den Film als den APOCALYPSE NOW! des Pornokinos bezeichneten. Wer beide Filme gesehen hat, der weiß, dass dieser Vergleich seine Berechtigung hat. Regie: Gerard Damiano Darsteller/Innen: Georgina Spelvin, John Clemens, Harry Reems, Mark Stevens, Rick Livermore, Clair Lumiere, Sue Flaken, Albert Gork, u.a. Laufzeit: 68 Minuten |
CALIGULA (USA 1979) CALIGULA ist ein spektakuläres, sensationslüsternes und sehr grausames Historiendrama und Sex- und Pornofilm zugleich. Erfolgreich wurde er aber vor allem als grausames Historiendrama und Sexfilm, da in den Kinos damals nur unterschiedlich stark gekürzte Fassungen liefen. Und warum auch nicht? CALIGULA ist auch ohne die Hardcoreszenen ein atemberaubendes Kinoerlebnis. Mit den Hardcoreszenen wird der Film aber nicht nur brandheiß, sondern auch angenehm konsequent und zusätzlich provokant. Ob es sich bei diesem Film überhaupt um einen Porno handelt, hängt also davon ab, welche Fassung vorliegt. Im Fernsehen lief sogar schon eine 90 Minutenversion dieses in jeder Beziehung maßlosen Werkes, welches man doch am besten in der 156 Minutenfassung sieht. In der kommt nicht nur die ungeheure Grausamkeit des Films voll zu Tage, sondern eben auch sehr schön gefilmte Lesbenspiele, Ejakulationen, usw. Die intensiven Hardcoreszenen in CALIGULA stammen jedoch nicht von Tinto Brass. In seiner ursprünglichen Fassung, die auf 142 Minuten kommt, drehte Brass zwar im juristischen Sinn Porno, der ganze Film ist schließlich eine einzige Sexorgie, doch wurden diese nicht, wie sonst im Porno, ins Zentrum der Szenerie gestellt. Diese Lücke hat Produzent Bob Guccione geschlossen, indem er nach Ende von Tinto Brass' Dreharbeiten das Filmteam zusammenrief und in seiner Abwesenheit die Szenen drehte, die CALIGULA zum aufwendigsten Hardcorestreifen der Filmgeschichte machen. Das Golden-Age Of Porn war gerade auf seinem Höhepunkt und CALIGULA sollte der erste Porno werden, der Handlung und Sex glaubhaft verbindet, der erste wirklich abendfüllende Hardcorestreifen sozusagen. Das Schöne daran: Die Hardcoreszenen fügen sich in den Film ein, als wären sie schon immer dagewesen. Nahtlos knüpft Guccione an erotische Stellen an und vollendet auf wunderbare Weise das, wovor Tinto Brass leider zurückschreckte. CALIGULA ist auch der bisher einzige Porno mit einem echten Staraufgebot, auch wenn das nicht ganz freiwillig geschah. Peter O'Toole z.B. wusste zwar, dass Tinto Brass in diesem Film sehr explizit zu Werke gehen wollte, doch von Pornografie war nie die Rede. Ebenfalls verwundert, wenn auch nicht sauer wie O'Toole, war Malcom McDowell, der als Caligula in vielen schönen Soft-Sexszenen mit Ex-Playmate Teresa Ann Savoy zu sehen ist. Irgendwann hat er auch Sex mit einem Pferd. Details sehen wir hier zum Glück nicht. Nach allem was wir heute wissen, ging es unter dem römischen Kaiser Caligula tatsächlich so zu, wie es der Film schildert. Er zeigt in sehr opulenten Bildern und vor grandios detailgetreuen Kulissen, wie Machtmissbrauch und Dekadenz die Zeit prägten und wie der Wahnsinn in den Mann fährt, der an der Spitze des Ganzen steht. Am Ende wird dieser Mann von anderen Wahnsinnigen und deren Nutznießern ermordet. Ganz wie in der Realität also. Regie: Tinto Brass Darsteller/Innen: Malcom McDowell, Teresa Ann Savoy, Peter O'Toole, Helen Mirren, u.a. Laufzeit: 156 Minuten
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MEMORIES WITHIN MISS AGGIE (USA 1974) Eines ist klar: Wer THE DEVIL IN MISS JONES mag, mag auch diesen Film. MEMORIES WITHIN MISS AGGIE ist ähnlich düster, ähnlich merkwürdig und hat auch ein very Bad-End. Es lässt sich jetzt vortrefflich darüber streiten, welcher Film der bessere ist. Beide sind von solch hoher Qualität, dass ihr Regisseur Gerard Damiano zu Recht als einer der berühmtesten und besten Pornofilmer gilt. Kennzeichnend für seine Filme in den 70ern ist, dass Sex zwar immer als etwas Lustvolles, doch zudem tragisches, ja zerstörerisches dargestellt wird. Eine heile Sexwelt gibt es bei Damiano, der seine Filme als extreme Ausdrucksformen von Kunst bezeichnet, weder bei MISS JONES noch in WATERPOWER. Es scheint, als wollte er beweisen, dass der fröhlich gemeinte Klassiker DEEP THROAT eine Ausnahme, ein Irrtum war, was dieser Film schließlich auch ist. Keiner käme wohl auf die Idee, dass MEMORIES WITHIN MISS AGGIE vom selben Regisseur stammt. Die Heldin des Films (hier gespielt von Norah Ashira) traumwandelt durch ihr tristes Haus, sie spricht mit einem sonderbaren Mann im Rollstuhl, spielt mit einer Katze, macht Tee, schaut in den Spiegel. Sie denkt an frühere Zeiten, wobei stets unklar ist, ob das wirklich Erinnerungen oder nur Wunschträume sind. In Rückblenden (?) sehen wir die junge Miss Aggie (Kim Pope), die sich von einem unbekannten Mann entjungfern lässt; die einsame Miss Aggie (Mary Stuart), die es sich mit einer Spielzeugpuppe selber besorgt, ehe ein edler Ritter sie genussvoll in den Hintern fickt; die besessene Miss Aggie (Darby Lloyd Rains), die als Hure vor einem seltsamen Kerl masturbiert um dann triebhaft seinen Samen zu trinken. Sehr sinnliche, doch irgendwie unheilschwangere Bilder eröffnen sich unserem Auge. Gar nicht sinnlich, sondern ziemlich brutal endet der Film. Irgendwas muss schiefgegangen sein in Miss Aggies Leben, denn um nicht länger alleine zu sein, tötet sie einen Herrn, der zufällig bei ihr zu Besuch ist und der leider nur für eine Nacht bleiben will. Sie sticht ihm zuerst ein Auge aus, weidet sich kurz an seinen Schmerzen, ehe sie seinem Leben endgültig ein Ende macht. Wie sich rausstellt, ist dieser Mann die erwähnte Person im Rollstuhl bzw. seine verweste Leiche. Sie ist für Miss Aggie jetzt die einzige Bezugsperson bzw. Bezugsleiche. Bemerkenswert ist es immer wieder, wenn ein Pornofilm nicht nur durch Sex, sondern auch durch Spannung, überzeugende Darsteller/Innen und vor allem durch Atmosphäre glänzt. MEMORIES WITHIN MISS AGGIE ist hierfür ein Paradebeispiel! Der Film entführt uns glaubhaft in eine dunkle Traumwelt und schafft damit in 73 Minuten das, woran sich "seriöse" Filme oft vergeblich die Zähne ausbeißen. Note 1 für diesen außergewöhnlichen Porno! Regie: Gerard Damiano Darsteler/Innen: Norah Ashira, Kim Pope, Darby Lloyd Rains, Harry Reems, Eric Edwards Laufzeit: 73 Minuten
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DAS BILDNIS DER DORIANA GREY (Schweiz 1976) Der spanische Regisseur Jess Franco gilt als der König des B-Movies und das völlig zu Recht. Filmperlen wie z.B. VAMPYROS LESBOS (mit der bezaubernden Soledad Miranda) oder die trashige Verfilmung von de Sades' Roman JUSTINE (mit Romina Power und Klaus Kinski), bestechen durch subtile Erotik, absurd schöne Kamerafahrten und moralisch meist unkorrektes Auftreten der Akteure und sind darum heute Kult bei Liebhabern des B-Pictures. In Jess Franco-Filmen tauchen immer wieder die selben Darsteller/Innen auf, eine Filmmusik muss häufig für drei Filme und mehr herhalten und immer wieder stehen Sex und Gewalt im Mittelpunkt des Geschehens. Man könnte also sagen, seine Filme sind langweilig, weil immer dasselbe passiert, was nur zum Teil stimmt und was Franco-Fans natürlich überhaupt nicht stört. DAS BILDNIS DER DORIANA GREY ist eine Franco-Rarität, weil der Film einer der wenigen pornografischen Ausflüge des Regisseurs ist, welche ihm meist total misslangen, doch was hier großartig gelungen ist. Der Film ist so sonderbar wie anstrengend und sinnlich. Fast ununterbrochen sehen wir die Pussy von Jess Francos Ehefrau Lina Romay. Sie spielt die Doriana Grey und zugleich ihre Zwillingsschwester. Sexuell sind beide schwer gestört. Die Schwester ist in einem Irrenhaus und masturbiert dort nonstop vor sich hin. Doriana Grey lebt in einem schönen Schloss, ist auch sexbesessen, doch frustriert auf eine Art, weil frigide. Durch Telepathie miteinander verbunden, erlebt die Schwester die Orgasmen, die Doriana sich so sehr wünscht. Dazu kommt: Doriana ist ein Sexvampir! Während die Schwester im Irrenhaus wie besessen ihren Kitzler reibt, tötet Doriana ihre Liebhaberinnen, indem sie ihnen durch das Lecken ihrer Pussy jegliche Lebenskraft entzieht. Ist einmal kein weibliches Opfer zugegen, saugt sie auch schon mal einem Mann den Schwanz aus, womit auch dieser des Todes ist. Eine Journalistin kommt ihr auf die Spur, doch auch sie erliegt den Reizen der frustrierten Vampirlady und stirbt. Doraina ist mit der Situation alles andere als glücklich. Keine Orgasmen, und die Journalistin mochte sie wirklich gerne. Irgendwann kommt sie darauf, dass ihre destruktive Lustlosigkeit untrennbar mit ihrer Schwester verbunden ist. Schließlich besucht Doriana ihre Schwester und verwöhnt auch sie mit der Zunge. Die Schwester ist tot und der Spuk hat ein Ende. Glücklich und zufrieden zieht sich Doriana auf ihr Schloss zurück und besorgt es sich dort ausgiebig selbst. DAS BILDNIS DER DORIANA GREY ist ein kunstvoll inszenierter Lesbenporno. Nur einmal sehen wir wie gevögelt wird, der Rest ist Pussy. Lina Romays weit geöffnete Vagina ist so präsent, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Nicht immer ist das sonderlich anregend, sondern eher unter avantgardistischen Gesichtspunkten interessant. Vor allem wenn sich Dorianas Schwester im Irrenhaus selbstbefriedigt, wirkt das eher verstörend als stimulierend. Sei's drum, der Film nimmt auf jeden Fall eine Sonderstellung unter den Pornoklassikern ein und gehört daher in jede gut sortierte Giftschranksammlung! Für Lesben, die auf gehobene Pornografie stehen, für Jess Franco- und Lina Romay-Fans ist der Film eh Pflicht. Regie: Jess Franco Darsteller/Innen: Lina Romay, Monica Swinn, Martin Stedil, u.a. Laufzeit: 69 Minuten |
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ALICE IN WONDERLAND (USA 1975) Die schüchterne Alice erhält unverhofft Besuch von einem merkwürdigen Hasen. Dieser lockt sie in das Porno-Wunderland. Dort findet sich Alice nur mit Mühe zurecht, was nicht schlimm ist, denn der lustige Hase ist plötzlich wieder da und stellt sie interessanten Leuten vor. Die noch jungfräuliche Alice fängt an ihren sexuellen Empfindungen nachzugehen. Sie masturbiert auf einem sprechenden Felsen sitzend. Dem Felsen gefällt das, er spricht Alice Mut zu, und schon bald sehen wir, wie sie den Schwanz eines durchgeknallten aber liebenswerten Mannes bläst und ihn in ihrem Mund kommen lässt. Ihre Unschuld hat sie aber immer noch nicht verloren, als die Königin sie mit dem König im Bett erwischt. Der nette König leckt gerade Alices Pussy, als seine lesbische Frau die Szene betritt. Dass Alice noch Jungfrau ist, stellt für die Königin ein Delikt dar, also wird ihr der Prozess gemacht. Eine wild tanzende Jury befindet Alice für schuldig. Zur Strafe soll sie von der Königin entjungfert werden. Gerade noch rechtzeitig entreissen Alices Freunde sie der lüsternen Herrscherin. Wieder zu Hause, verliert Alice ihre Unschuld schließlich an einen netten jungen Mann. Lewis Carroll's Märchen präsentiert sich hier als ein sehr lustiges und gnadenlos überdrehtes Porno-Musical, in dem alle Beteiligten sichtlich Spaß haben. Ernst nimmt hier niemand irgend etwas und so folgt eine Absurdität auf die andere. Die musikalischen Einlagen sind großartig, weil die Lieder wirklich sehr nett und die Tänze sehr sexy sind. Wenn man sich als Zuschauer also nicht gerade vor lachen krümmt, schnippt und wippt man mit oder legt vor dem Fernseher vielleicht selbst ein kleines Tänzchen hin. Eine etwas ungewöhnliche Reaktion auf einen Pornofilm, und zugegeben: Hardcoreszenen sind hier relativ wenige vorhanden und dienen mehr der Provokation als der sexuellen Stimulation. Doch wenn es zur Sache geht, dann sehr explizit und erotisch. Und so überzeugt dieser Film auf der ganzen Linie. Er ist temporeich, sehr komisch, auf seine Art spannend und ausgesprochen sexy. In einer Szene fragt eine sichtlich entnervte Frau, wie sie denn endlich aus diesen blöden Film hinauskommt. Hey Baby, das ist ein super Film. Bleib' doch noch. Es war halt die Zeit der freien Liebe. Hippies kämpften gegen Krieg, Rassissmus, Spießertum und Prüderie. Zum Glück drehten manche von ihnen auch Filme. So entstanden Trash-Meisterwerke, die heute so nie möglich wären. ALICE IN WONDERLAND ist eines davon. Weil der Film sehr viele Elemente des B-Movies und Trash-Kunst-Motive mit Porno verbindet, ist ALICE einer jener Pornos, die bedenkenlos im Studentenkino laufen könnten und sollten. Die Reaktion des Publikums wäre ungefähr wie die auf THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW: es würde gesungen und getanzt werden. Nur mit dem Unterschied, dass bei ALICE am Ende alle nackt oder zumindest oben ohne tanzen (hoffentlich). Anbieten würde sich auch ein Lewis Carroll-Porno-Double-Feature. Als erster Film THROUGH THE LOOKING GLASS, eine sehr düstere Adaption des Carroll-Stoffes. Dann Partytime mit ALICE. Regie: Bud Townsend Darsteller/Innen: Kristine De Bell, Bradford Armdexter, Gila Havana, Ron Nelson, Alan Novak, Jerry Spellman, Sue Tsengoles, Tony Tsengoles, Angel Barrett, Bruce Finklesteen, Astrid Halase, Ed Marshall, Marcia Raven, Chris Steen, Jason Williams Laufzeit: 83 Minuten
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THE PUNISHMENT OF ANNE (THE IMAGE - USA 1976) Radley Metzger, der schon mit THE OPENING OF MISTY BEETHOVEN Maßstäbe setzte, drehte den Film 1975 nach der Romanvorlage eines gewissen Jean de Berg. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich das Literatenehepaar Catherine und Alain Robbe-Grillet. Zusammen schrieben sie auch das Drehbuch zu diesem ungewöhnlich sinnlichen und sehr eleganten Film. Beide sind große Fans des Marquis de Sade, der ja auch irgendwie mit dem Begriff Sadomasochismus in Verbindung steht. Der Einfluss des Marquis ist unübersehbar: Konsequent und auf hohem künstlerischen Niveau zeigt THE PUNISHMENT OF ANNE die Abgründe der menschlichen Leidenschaften, die Lust am Schmerz und die Abhängigkeiten, die sich daraus ergeben. Auf einer Schickeria-Party in Paris trifft Jean auf seine alte Freundin Claire. Sie stellt ihm die hübsche und scheinbar sehr schüchterne Anne vor. Auf Anne hat Jean eh schon ein Auge geworfen und so kommt ihm die Bekanntmachung sehr gelegen. Was Claire ihm über Anne erzählt, lässt ich aufhorchen. Anne ist nämlich Claires Eigentum, ihre Sklavin! Und ehe er sich umgucken kann, ist Jean plötzlich mittendrin in einer denkwürdigen Dreiecksbeziehung. Schon am Tag nach der Party spielen sich seltsame Dinge ab. Die drei besuchen zusammen einen Pariser Rosengarten. Hier wird Anne von ihrer Herrin mit einer Rose zuerst sexuell stimuliert und dann mit den Dornen schmerzhaft gepeinigt. Die Demütigung endet darin, dass Anne genötigt wird sich hinzuhocken um auf die besagte Rose zu pinkeln. Jeans Interesse Anne nimmt zu. Nachdem er das Ereignis im Park ein wenig auf sich wirken gelassen hat, sucht er Claire auf und lässt sich von ihr Fotos zeigen auf denen Anne zu sehen ist. Die Bilder zeigen sie nackt, angekettet und ausgepeitscht. Wie schon die Begebenheit im Garten, lässt auch der Anblick der Bilder Jean nicht kalt, was Claire natürlich nicht entgeht. Sie ist der Meinung, dass Jean jetzt endlich in die SM-Praktiken mit einbezogen werden muß und setzt diesen Entschluß sofort um. Jean tastet sich langsam heran an die Materie indem er sich von Anne einen blasen lässt während diese von ihrer Herrin ausgepeitscht wird. Die Peitsche, mit der sie gemartert wird, hat sich Anne vorher sehr sorgfältig ausgesucht. Im Anschlulss daran steht Anne nun auch Jean als Sexsklavin zu Verfügung. Ein Umstand, den er sehr gut zu nutzen weiß. Nach einigen haarsträubenden Begebenheiten z.B. in einem Restaurant oder in einem Geschäft für Damenunterwäsche und nachdem Anne aufs Neue vor Jean urinieren musste, kommt es im einen gut ausgestatteten Folterkeller zum Finale. Anne wird angekettet, ausgepeitscht, mit heißen und spitzen Gegenständen malträtiert und von Jean gevögelt. Doch am Ende, nachdem die Sklavin ihre absolute Befriedigung erhalten hat, verlässt sie ihre Meisterin. Claire wiederum wechselt die Rolle und unterwirft sich schließlich Jean. Dieser Film ist auf jeden Fall der beste zum Thema Sado-Masochismus. Selbst Gerard Damianos hervorragender Beitrag zu diesem Thema THE STORY OF JOANNA, kann hier nicht ganz mithalten und der zwar sehr berühmte, doch unerträglich kitschige Film "Die Geschichte der O" von Just Jaeckin, fällt da ganz hinten weg. Szenen wie jene, in der Anne die Rose durch die Schamgegend gezogen wird, gehören ohne Zweifel zu den erotischtesten Momenten der Filmgeschichte. Mit den in Pornos normal üblichen Szenen, haben diese Momente wenig gemein. Sie eignen sich als Wichsvorlage ungefähr so, wie ein Gemälde von Albert Oehlen. Sie erscheinen nie als Selbstzweck, sondern sind immer stringent zum Handlungsablauf. Eingefangen ist das Ganze in klaren und minimalistischen Bildern, die im Pornogenre ihresgleichen suchen. Wir haben es also wieder mal mit einem Meisterwerk zu tun - einem psycholigisch nachhaltig wirkenden, ja verstörenden diesmal. Regie: Radley Metzger, aka Henry Paris Darsteller/Innen: Rebecca Brooke, Carl Parker, Marilyn Roberts, Yvette Hiver, Michelle Vence, Estelle McNalley, Nicole Rochambeauy Laufzeit: 89 Minuten |
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WATERPOWER (USA 1977) WATERPOWER ist ein psychologisch sehr ausgefeilter und verstörend harter Schocker und er ist mit Abstand der berühmteste „Sicko“ in der Geschichte des pornografischen Films. Inspiriert wurde Gerard Damiano wahrscheinlich durch den ein Jahr zuvor gedrehten Film SEX WISH, der noch härter ist, und in dem sogar sehr viel Blut fließt. Im Mittelpunkt der auf wahren Begebenheiten basierenden Story steht ein psychopathischer Vergewaltiger mit einer bemerkenswerten Passion: Er verpasst seinen Opfern Einläufe, und ejakuliert im Anschluss auf ihren Hintern oder nötigt ihnen noch eine Goldene Dusche auf. Wie in THROUGH THE LOOKING GLASS, spielt Jamie Gillis seine Rolle mit geradezu beängstigender Überzeugungskraft. Die prickelnde Szene am Anfang, in der Gillis sich von einer Prostituierten verwöhnen lässt (zauberhaft gespielt von der noch jungen Sharon Mitchell!), und ein von unserem Bösewicht beobachtetes Liebesspiel sind Kontrapunkte in dieser ansonsten abgrundtiefen Gewaltorgie. Die Bilder sind sehr explizit, Analverkehr, Cumshots, Lesbensex - alles ist vorhanden. Im Vordergrund steht aber, ganz wie bei SEX WISH, der Einblick das Leben eines Triebtäters. Das ist sehr spannend, doch eben selten sexuell stimulierend. Macht aber nix, denn dafür gibt es ja tausendfach andere Filme. WATERPOWER ist also weniger ein Porno und überwiegend ein virtuos bizarrer Thriller mit sehr suggestiver Kameraführung und brillantem Soundtrack (u.a. von Bernard Herrmann).WATERPOWER hat mit Mainstreampornos jedenfalls soviel zu tun wie THE DEVIL IN MISS JONES mit DEEP THROAT, was lustig ist, da sich doch für alle drei Filme Gerard Damiano, der wohl berühmteste Pornoregisseur, veratntwortlich zeichnet, doch was vielleicht darauf hindeutet, dass Daminao Recht hat, wenn er heute sagt, dass er für den Film garnicht verantwortlich ist. Im Splatting Image (Heft 15, September 1993) erklärt er: "Der ist nicht von mir.(...) Ich mag den Film nicht. Ich habe ihn angefangen, aber ich habe ihn abgebrochen. Meine Vorstelung davon, was akzeptabel ist und was nicht , hat viel mit dem freien Willen der Agierenden zu tun. Schmerz ist für mich nicht identisch mit Lust. Es ist etwas sehr persönliches. Ich sah meine Vorstellung von dem Film verletzt. [...] Ich kann zu dem fertigen Produkt nichts sagen, da ich es vermieden habe. Sie haben meinen Namen benutzt, ich habe Geld eingestrichen - that's all." Damiano sagt nicht, wer den Film an statt seiner gedreht hat. Man kann die Äußerung so akzeptieren oder vermuten, dass sich Damiano im Nachhinein distanziert. Die stets zuverlässige Quelle imdb.com gibt jedenfalls einen gewissen Shaun Costello als Regisseur und hinter diesem Namen verbirgt sich, ebenfalls lt. imdb.com, kein anderer als Gerard Damiano. Regie: Gerard Damiano Darsteller/Innen: Jamie Gillis, Barbara Belkin, Gloria Leonard, Sharon Mitchell, Eric Edwards, Marlene Willoughby, C.J. Laing, Jean Silver, u.a. Laufzeit: 73 Minuten
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SEX WISH (USA 1976) Ist WATERPOWER der bekannteste Maniac-Film der Pornogeschichte, so kann sich SEX WISH damit rühmen, der fieseste und brutalste unter den 70er-Pornos zu sein. Der Psycho in SEX WISH begnügt sich nicht damit, seine Opfer zu vergewaltigen, sondern schlitzt ihnen zur Krönung die Kehle auf. Mal peitscht er sie vorher noch aus, ein anderes Mal zwingt er sie zum Liebesakt untereinander, ehe er das männliche Opfer tötet und kastriert und die Frau nötigt, ihn oral zu befriedigen, um schließlich auch sie zu ermorden. Ähnlich wie bei WATERPOWER, haben wir es hier also eher mit einer Gewaltstudie und weniger mit einem Pornofilm zu tun. Zentral ist in beiden Filmen das unschöne Treiben eines Triebtäters, und nicht das schöne Treiben erregter Liebespaare. Letzteres sehen wir in SEX WISH nur einmal am Anfang: C.J. Laing und Harry Reems sind da in einer sehr schönen Szene zu sehen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Harry muss ins Büro und der böse Psycho nutzt seine Abwesenheit um seine Liebste sehr übel zuzurichten. Harry ist darüber natürlich sehr erbost, schwört Rache und lässt sich erstmal von zwei Prostituierten trösten. Locker und leicht kommt diese Szene natürlich nicht daher, ist Harry doch zu verzweifelt, um sich richtig gehen zu lassen. Geboten wird uns wird also fast ausschließlich Sicko-Sex der besonders krassen Sorte. Insgesamt kommt SEX WISH zwar nicht ganz an die Qualität von WATERPOWER heran, doch steht er ihm an perfider Atmosphäre und Intensität in nichts nach. Ein Schwachpunkt des Films ist Harry Reems. Er ist total damit überfordert, den tief verletzten Mann auf Rachefeldzug zu miemen. Seine schlechte Darbietung sticht heraus, denn alle Anderen spielen ausnahmslos hervorragend. Zebedy Colt als Psychokiller wirkt tatsächlich wie ein auf Poppers und Gewalt abfahrender Sonderling, und auch seine Opfer spielen ihren Part erschreckend authentisch. Das kombiniert mit spannungsgeladener Horrorfilmmusik und eindringlichen Kamerafahrten, ergibt zusammen einen sehr obskuren Film, der auch für Freunde des Terrorkinos interessant sein dürfte. Regie: Tim McCoy Darsteller/Innen: C.J. Laing, Candy Love, Dennea Benfante, Nancy Dare, Terri Hall, Harry Reems, R. Bolla, T Rome, Zebedy Colt , u.a. Laufzeit: 79 Minuten |
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SEX MANIACS (UK 1977) In den späten 70ern drehte Lasse Braun in England einige Kurzfilme. Diese wurden schließlich zu einem Film zusammengefügt und so entstand SEX MANIACS. Dass in England Pornografie zu der Zeit strengstens verboten war, hat Lasse Braun wohl dazu inspiriert besonders krass vorzugehen, denn dieser Film ist der mit Abstand brachialste Hardcorestreifen, den der Regisseur jemals gedreht hat. Ein Schundporno - keine Frage, doch einer mit Stil. Der Plot des Films ist simple: Eine Gruppe junger Damen sitzt beisammen und eine nach der anderen erzählt von ihrem letzten Sexabenteuer. Schon die erste Story hat es mächtig in sich. Ein Mädchen erzählt, wie sie von ihrer Mutter in einen dunklen SM-Keller geführt wurde um dort entjungfert zu werden. Wir Zuschauer werden natürlich gleich darüber ins Bild gesetzt, was dort genau geschah. Am Ende sehen wir in aller Ausführlichkeit, wie die junge Dame einen Golden Shower als Krönung ihrer haarsträubenden Entjungferung feiert. Sind die die folgenden Geschichten auch nicht ganz so deftig, so haben sie immer noch genug Feuer, um diesen Porno zu einem sehr hochkarätigen und angenehm schmutzigen Erlebnis zu machen. In der einen sind es die sensationellen Brüste einer hübschen Krankenschwester, die mit viel Sperma geehrt werden. In der anderen kommen Natursektfreunde ein weiters Mal auf ihre Kosten. Dieses Mal ist eine Frau, die pisst als gäbe es kein Morgen. Zwischen diesen Geschichten wird stets rübergeblendet in die Wohnung einer Frau, die auch zu dem Treffen der Sex-Maniacs will. Dass sie noch nicht da ist, hat natürlich seinen guten Grund: Ein Mann, der eine Umfrage über das Sexleben von Frauen macht, ist bei ihr und selbstverständlich können die beiden Theorie und Praxis nicht auseinanderhalten. Auch die Spielchen dieses Paares sind sehr schön anzuschauen, und somit ist SEX MANIACS ein Pornofilm, der bestimmt nicht jedermanns Sache ist, doch der zweifellos sehr lebendig daherkommt. Von der filigranen Herangehensweise, die Lasse Braun in SENSATIONS oder AMERICAN DESIRE an den Tag gelegt hat, ist er hier natürlich meilenweit entfernt. Doch das war wohl auch nicht Sinn der Übung und störte schon damals niemanden. Regie: Lasse Braun Darsteller/Innen: Sonia Svenburger u.a., auf Grund der Gesetzeslage in England, blieben die anderen Darsteller/Innen anonym. Laufzeit: 87 Minuten |
HARDGORE (USA 1973) Oje,oje! Was ist denn das für eine runtergefuckte Hippiescheiße?!? Der Filmtitel ist auf jeden Fall Programm: Einem Mann, dem zuvor sein Schwanz gelutscht wird, wird dieser mit einem Messer abgeschnitten. Über der Dame ergießt sich also Blut und kein Sperma. Eine Orgie, die damit endet, dass eine Frau, nachdem sie einem maskierten Sektenguru bis zum Höhepunkt geblasen hat, gelassen und wie selbstverständlich zu einer Guillotine geht, ihren Kopf einhängt, sich von hinten ficken lässt und zum Orgasmus des Mannes geköpft wird. Die Heldin des Films schließlich, die vor zwei bösen Männern flüchten will, gefangen wird und sich in einer vermeidlichen Leichenkammer von einem Mann vögeln lässt, während der andere Kerl sich wie nebenbei an einer der nackten Frauenleiche vergeht, die dann aber irgendwann doch wieder ein Lebenszeichen von sich gibt, der Mann also ein Zombiegirl fickt? Und nochmal unsere Heldin, die von drei fliegenden Schwänzen kräftig vollgespritzt wird, doch die den Spaß an der Sache verliert, als auch sie zur Guillotine gehen soll. Sie schnappt sich eine Axt und veranstaltet damit ein kleines Massaker, doch vergebens. Sie wird mit einem Totenschädel erschlagen und mit einer brennenden Kerze in der Pussy zurückgelassen. Dieses wilde Treiben wird ab und zu unterbrochen von rührend-zärtlichen Sexszenen. Wirklich bemerkenswert, wieviel obskuren Trash der Regisseur in die rund 60 Minuten Laufzeit gepackt hat. Doch worum geht es eigentlich in diesem Film, der in Cannes bestimmt keine Chance hätte? Eine junge Frau wird in eine Nervenklinik eingewiesen, in der es mit dem Teufel zugeht. Die Patientinnen werden vom bösen Personal zum Besuch von orgiastischen Schwarzen Messen genötigt und am Ende blutig geopfert. Die Versuchung ist groß, schon wieder einen Lobgesang auf die 70er die damals entstanden Trashfilme loszulassen. HARDGORE ist hierfür wirklich ein feines Beispiel. So viel unkorrekten Unfug zu fabrizieren und dabei noch stilvoll rüberzukommen, das war wohl nur damals möglich. Im Drehbuch geht es drunter und drüber, von logischer Dramaturgie keine Spur. Egal! Der Film ist schmutzig, geschmacklos und es gibt viel Splatter und Porno. Was will der Filmfreund mehr? Regie: Michael Hugo Darsteller/Innen: Dianne Galke, John Seeman, Justina Lynn, Joan Devlon, Turk Lyon, Toni Scott, David Book Laufzeit: 63 Minutenn |
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ANGEL BUNS (USA 1981) Schuhverkaüfer Sidney ist sexuell frustriert. Jeder Frau schaut er hinterher und stellt sich vor, sie zu vögeln. Seine Annäherungsversuche schlagen allesamt fehl. Das ruft den Sexgott auf den Plan. Er schickt Sid eine in Erotik sehr bewanderte Himmelsbotin (zauberhaft gespielt von Veronica Hart!). Ein Blick in die Akte verrät dem Sexengel, dass Sid noch nie Sex mit zwei Frauen zugleich hatte, dass er noch nie in den Genuss von Analsex kam und noch nie einer Dame in den Mund und ins Gesicht ejakuliert hat. Der süße Engel macht sich sofort ans Werk. Mit einem magischen Staub verzaubert sie die Mädels, mit denen Sid gerne Sex hätte. Nachdem er all seine Wünsche erfüllt sieht, fällt ihm ein: er hat noch nie einen Engel gefickt! Dumm nur, dass dem Engel seiner Begierde von oben streng verboten wurde, mit Normalsterblichen etwas anzufangen. Richtig brenzlig wird die Situation jedoch, als unser Engel Lust verspürt, Sids energischem Drängen nachzugeben. Wie die Turteltäubchen das Dilemma lösen, soll hier nicht verraten werden. Verraten sei lediglich, dass ANGEL BUNS zu den entzückendsten Pornofilmen zählt, die der Redaktion von 6filme.org je unterkamen. Der Film hat ausgesprochen viel Charme und Witz und ist hot, hot, hot! Die Sexszenen und das ganze Drumherum sind mit leichter Hand gefilmt und sehr schön anzusehen. Die Musikuntermalung, bestehend u.a. aus entspannten Jazz und, jeweils bei den Orgasmen, lustigen Fanfaren, ist dezent und doch sehr präsent. Veronica Hart wurde schon lobend erwähnt, doch sie wird es hier mit gutem Grund nochmal: sie ist einer der herausragenden Pornostars des Golden Age Of Porn und vielleicht war sie noch nie so unwiderstehlich, wie in diesem Film. Robert Bolla, ihr männlicher Gegenpart, wollte da wohl nicht hintendran stehen und gelangt so nicht nur zu sexuellen Höchstleistungen. Die Beiden, die ja schon häufig zusammen glänzten (u.a. in AMERICAN DESIRE), bilden in der Tat ein Traumpaar. Doch vögeln sich auch die anderen Personen hinreißend durch den Film. Und ohne die Auftritte von Angelina Flores, Brenda Brooks, Diana May, Lisa Beth, Mary Jane Miz in den Hintergrund zu rücken, sei hier noch die ungemein hübsche Tiffany Clark hervorgehoben. Wie sie unseren schüchternen Schuhverkäufer um den Verstand bringt, ist extraklasse und...hot, hot, hot! Am Ende steht sogar Pornolegende Ron Jeremy etwas neidisch vor Sidney und seinem neuen Glück mit dem weiblichen Geschlecht. Ron kommt diesmal gar nicht zum Zuge, was ziemlich egal ist irgendwie. Schade nur, dass der Spaß mit unserem Engel schon nach knapp eineinhalb Stunden vorbei ist, denn sattsehen kann man sich an dem, was dieser auf dem Planten Erde so anstellt, nicht. Voller Demut verneigt sich die Redaktion vor Regisseur David Mackenzie, denn dieser Film ist mehr als nur ansprechend. Er ist vor allem eines: hot, hot, hot! Regie: David Mackenzie Darsteller/Innen: Angelina Flores, Brenda Brooks, Diana May, Lisa Beth, Mary Jane Miz, Tiffany Clark, Veronica Hart, George Payne, Jerry Butler, R. Bolla, Ron Jeremy Laufzeit: 84 Minuten |
LET MY PUPPETS COME (USA 1976) Schon auf Grund seiner Einzigartigkeit verdient dieser Film besondere Erwähnung. Oder kennen Sie einen Puppenfilm, in dem die Puppen nicht nur tanzen, sondern auch fröhlich vögeln und ejakulieren? Nee, sowas gab es bislang noch nicht und natürlich ist die Frage erlaubt, ob irgend jemand einen solchen Film vermisst hat. Wahrscheinlich nicht, doch das war Gerard Damiano egal und so drehte er einfach diesen auch auf Grund seiner geringen Länge von 40 Minuten nicht unbedingt abendfüllenden, doch sehr lustigen Puppenporno, der sich sehr gut eignet als Vorfilm für die großen Klassiker Damianos THE DEVIL IN MISS JONES, THE SATISFIERES OF ALPHA BLUE oder MEMORIES WITHIN MISS AGGIE. In dieser Konstellation sorgt LET MY PUPPETS COME auf sicher für einen originellen Pornofilmabend. Der Plot des Films ist simpel und amüsant. Die Chefcrew einer Firma wird von einem fiesen Mafiosi bedrängt binnen 24 Stunden Schulden in Höhe von 500.000 $ zurückzuzahlen. Um schnell an das Geld zu kommen, entschließen sich die Herren in Windeseile einen Pornofilm zu drehen und diesen ebenfalls in Windeseile zu vermarkten. Was folgt, sind niedliche und turbulente Sexszenen die jeder Beschreibung spotten. Trotzdem der Versuch: Also da verwöhnt eine Head-Nurse (!) einen im Sterben liegenden Patienten mit dem Mund und erfüllt ihm damit seinen letzten Wunsch, ein singender Riesenpenis treibt allerlei Unfug, Pinocchio hat auch einen Auftritt usw. Nachdem die Schuldner die Dreharbeiten beendet haben, stellen sie fest, dass sie vergessen haben einen richtigen Schluss zu drehen. Die Lösung: Die Mitte des Films wird zum Ende und die jetzt offene Mitte wird mit Werbefilmchen gefüllt. Also müssen jetzt Werbefilmchen her, die zum Konzept des Films passen und so werden schließlich pornografische Commercials gedreht. Ein Film empfiehlt Mundwasser, welches sich für die Zeit nach einem Blowjob eignen soll. Und so weiter und sofort. Am Ende gewinnt der Film sogar als erster Pornostreifen einen Oscar, womit Gerad Daminao wohl darauf anspielt, dass er mit seinen Filmen sehr gerne auch mal einen Preis gewonnen hätte, der außerhalb der Pornobusiness verliehen wird. Soweit kam es bis heute leider nie, doch für die Redaktion von 6filme.org steht fest, dass er eine solche Auszeichnung verdient hätte und dass sein Name untrennbar mit der originellsten Pornofilmen der Welt verbunden ist. Regie: Gerard Damiano Darsteller/Innen: Al Goldstein, Gerard Damiano, Luis De Jesus, Viju Krem und viele coole Puppen. Laufzeit: 40 Minuten
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AMERICAN DESIRE (USA 1981) Dieses kleine Meisterwerk markiert das Ende der großen Zeit von Lasse Braun, des King of Porn, wie er sich selbst stets nannte, denn nach AMERICAN DESIRE drehte er kaum noch Filme und wenn, dann waren diese nicht mehr der Rede wert. Und es ist der erste Film, den Lasse Braun in Amerika gedreht hat. Dieser Umstand machte es möglich, dass wir ein weiters Mal das Traumduo des amerikanischen Pornos zu sehen bekommen: Veronica Hart und Robert Bolla (siehe auch ANGEL BUNS). Die beiden spielen ein sehr verliebtes Ehepaar, welches nach neuer sexueller Inspiration sucht. Bolla offenbart seiner Frau, dass er diese Inspiration bei anderen Damen zu finden hofft und rät auch seiner Frau auf die Pirsch zu gehen um das eheliche Sexleben zu retten. Zögerlich willigt sie in den Plan ein, doch will sie sich vorher noch Rat bei ihrem Vater holen. Zu ihrer großen Überraschung hat der alte Mann diese Problematik in seiner Ehe längst geregelt: Er freut sich sehr für seine Frau, wenn diese von einem fremden Liebhaber ausgiebig gevögelt wird. Wie die Geschichte weitergeht, ist klar. Unser Traumduo hat aufregende Begegnungen mit unbekannten Personen und so kommt frischer Wind in das eigene Liebesspiel. Robert Bolla besitzt am Ende sogar die Kühnheit, die heißeste Quelle seiner Inspiration zu diesem Liebesspiel einzuladen: Lysa Thatcher gesellt sich dazu und es kommt zu dem, was man eine flotten Dreier nennt, doch was die Sache nur verkürzt beschreibt, denn es handelt sich zudem um einen sehr sinnlichen, leidenschaftlichen Dreier. Was die Filme von Lasse Braun vor allem auszeichnet, ist dass der Regisseur es schafft sich von der üblichen stereotypen Darstellung von Sex im Pornofilm zu distanzieren. In seinen Filmen wird Sex und Porno zwar nicht neu erfunden, doch unterscheidet sich die Darstellung von Szene zu Szene wie von Film zu Film. So werden die Pornos von Lasse Braun nie langweilig und so hat jeder seinen ganz eigenen Stil. SEX MANIACS ist sehr rüde, SENSATIONS sehr drogengeschwängert und avantgardistisch und BODY LOVE leider an vielen stellen zu verquastet. Und AMERICAN DESIRE? Stilistisch hat sich Braun hier dem Umfeld angepasst, denn der Stil dieses Films ist - im allerbesten Sinne - amerikanisch. Und amerikanische Autos und Häuser - an die muss man sich bei Lasse Braun tatsächlich erstmal gewöhnen. Was dagegen schon typischer ist: Andy Wahrhol- Poster an der Wand, das coole Amerika also. Und was erst Recht typisch ist: zauberhafte und sehr intensive Sexszenen, wie sie wohl nur dieser Regisseur einfangen kann. Sowohl die leicht-lockere Vögelei mit Mai Lin und George Payne, als auch die sich bis zur krassen Double-Penetration steigernden Szene mit Veronica Hart, das kleine SM-Abenteuer zu welchem Lysa Thatcher einlädt und das sinnlich-leidenschaftliche Finale: Es ist, wie es die in SENSATIONS auftretende Tuppy Owens in der Fernsehdokumentation Das abenteuerliche Leben des Lasse Braun formuliert: "Für mich sind (Lasse Brauns) Pornos die einzigen, in denen Sex so gut aussieht, wie er sich anfühlen sollte." Tatsächlich geht Lasse Braun jede Szene so an, als wollte er den Titel des King of Porn in jeder Sekunde verteidigen. Dass ihm das mit diesem Film gelungen ist, ist keine Frage. AMERICAN DESIRE ist ein wunderbares Spätwerk eines großen Regisseurs. Regie: Lasse Braun Darsteller/Innen: Veronica Hart, Mai Lin, Lysa Thatcher, Mistress Candice, Robert Bolla, George Payne, Roy Stuart, Dave Ruby, Jake Teague, Alan Clement, u.a. Laufzeit: 79 Minuten |
CATCH YOUR DREAMS (Deutschland 1983) Dieser Film schildert einen sexuellen Selbsterfahrungstrip, der so, wie wir ihn sehen, wirklich stattgefunden hat. Es handelt sich hier nämlich um eine Art Dokumentarfilm. Zehn sich bis dato noch unbekannte junge Menschen finden sich im einem Schloss in Schleswig-Holstein für eine Woche zusammen, ziehen sich aus und lassen sich mal so richtig fallen. Dialoge gibt es nicht, nur völlig psychotische Synthieklänge oder schöne Klassik. Doch aus dem Off hören wir die Protagonisten und den Filmemacher in einem Audiokommentar. Sie erzählen uns, wie geil es war, sich einmal fast jeglicher moralischer Urteile zu entledigen, sich einfach gehen zu lassen und dabei jede Menge Sex zu haben und wie nahe sie sich dabei gekommen sind und dass sie aber eigentlich noch weiter hätten gehen müssen. Sich beim Sex Filmen zu lassen, hat natürlich nichts mit Pornografie zu tun. Pornofilme sind alle böse, doch dieser Film ist gut. Und stimmt ja auch: dieser Kommune 1-Porno ist außergewöhnlich gut, doch vor allem außergewöhnlich. Für den Einen mag es 100% Selbsterfahrungs-Scheiße sein, für den Anderen ist es ein spannendes Experiment. Der Mut der jungen Hippies, sich diesem Experiment zu stellen, wird ihnen auf jeden Fall gedankt, denn sie erleben da offenbar eine ganz große Zeit. Und wie ein leichter Wind an einem sonnigen Frühlingsmorgen, geben sie ihre positive Energie an uns weiter. Sag ja zu dir - sag ja zum Sex! Locker und beswingt hüpfen die Frauen und Männer durchs Haus. Sie streicheln sich, sie vögeln und befriedigen sich oral und zwischendurch wird nackt getanzt. Was für ein Leben! Ein Wermutstropfen ist nur, dass die Protagonisten wie schon erwähnt der Meinung sind, nicht weit genug gegangen zu sein, weil noch zu viele Konventionen in ihnen arbeiteten. Wenn sie wieder die Möglichkeit hätten, würde es noch wilder, noch radikaler zugehen. Sicher sind die sexuellen Handlungen in diesem Film relativ konventionell. Eine kleine SM-Szene ist schon das Äußerste, was der Film zu bieten hat. Wir fragen uns jetzt natürlich, was wäre im Falle eines fortgeschritteneren Moralverfalls passiert? Hätten wir Natursekt- oder Analspiele gesehen? Sperma- statt Kissenschlachten? Und was ist eigentlich Pornografie und warum gab es denn nie einen zweiten Teil? Egal, denn wichtig ist es zunächst sich darüber zu freuen, dass es diesen entspannten und lustigen Film überhaupt gibt. Während des Films kommt Frau und Mann auf angenehmste Art zum Nachdenken über meist angenehme Sachen. Doch eben auch über unangenehme, wenn uns z.B. dämmert, wie der Prozess der Zivilisation unser sinnliches Erleben einschränkt und das Pornofilme quasi als Märchen für Erwachsene fungieren und dass Pornos ja aber so böse sind, da sie doch die Unterdrückung der Frau propagieren. Dann doch lieber ab zur Tantra-Gruppe nächste Woche. Catch your dreams before they slip away! Regie: Moritz Börner Darsteller/Innen: Andrea Jacobsen, Angela Lilleystone, Petra Lunghard, Nora Müller, Nina Oelrich, Peter Panther (!), Brigitte Panzer (!!), Christian Piel, Adria Schärer, Peter Schmidt, u.a. Laufzeit: 76 Minuten
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THE STORY OF JOANNA (USA 1975) Gute SM-Filme gibt es wenige. Einer davon ist THE PUNISHMENT OF ANNE, ein anderer ist der hier im Zenrum stehende THE STORY OF JOANNA. Die Geschichte des Films ist angelehnt an die GESCHICHTE DER O: Eine junge Dame verliebt sich in einen seltsamen Herren welcher ihr befiehlt, sich fremden Männern in sämtlichen Varianten hinzugeben, als Beweis für ihre Zuneigung. Seine Wünsche nehmen schließlich immer obskurere Formen an. Er fesselt und peitscht sie. Der Liebe zu ihrem Herrn tut das keinen Abbruch. Das Gegenteil ist der Fall... Es handelt sich hier um eine sehr gelungene Interpretation des berühmten SM-Dramas von Pauline Réage. Die ebenfalls im Jahr 1975 entstandene Verfilmung von Just Jaeckin mit Corinne Clery und Udo Kier war zwar sehr erfolgreich und gilt bis heute als Klassiker des erotischen Films, doch ist das wohl eher dem Umstand geschuldet, dass Jaeckins Film die erste O-Verfilmung war, denn der Film kommt nicht über das Niveau eines kitschigen, banalen Billigstreifens hinnaus. 1992 gab es nochmal einen sehr aufwändigen Versuch den Roman filmisch umzustetzen. Éric Rochat drehte in fünf jeweils neunzigminütigen Teilen einen ansehnlichen Film mit sehr erotischen, doch nie pornografischen Szenen. Der Film hat zudem viele Längen und ist an vielen Stellen leider auch sehr kitschig. Eine wirklich angemessene Umsetzung der GESCHICHTE DER O gibt es lustigerweise als Comic für Erwachsene: Guido Crepax, der Picasso unter den Comiczeichnern, veröffentlichte 1977 einen sensationell-lebendigen und kunstvollen Band, welcher sich sehr eng an den Roman hält. Doch zurück zum Film. THE STORY OF JOANNA nimmt es mit der Romanvorlage nicht ganz so genau. Regisseur Damiano wollte dies ursprünglich, doch entschied sich dagegen, um Copyright-Ärger zu vermeiden. Er nahm sich ein Kapitel aus dem Roman und schrieb dazu sein eigenes Drehbuch. Ähnlich ging er schon bei THE DEVIL IN MISS JONES vor, wo er sich durch Sartres NO EXIT inspirieren ließ. Die ganze Schwere des O-Themas kommt in Damianos Version wunderbar zum Tragen. Die bizarre Story, die bizarr-dunklen Bilder, die wunderschöne klassische Musik welche den ganzen Film dominiert und Terri Hall als Titelheldin in der Rolle ihres Lebens, machen THE STORY OF JOANNA zu einem Film von extrem atmosphärischer Dichte. Expilizite Szenen gibt es die erste halbe Stunde eigentlich gar nicht zu sehen und das ohne dass das irgendwie auffällt, doch dann nimmt dieser SM-Trip kräftig an Fahrt auf. In den Sexzenen geht es heftig zur Sache, doch pornografische Standarts werden streng vermieden. Die obligatorische Lesbenszene findet ihren Vergleich durch einen Blowjob unter Männern; Spermafontainen sind vorhanden aber rar und Analsex findet statt, doch ist dieser so traumhaft schön eingefangen, dass völlig klar ist, dass von normalen Pornoszenen hier nicht die Rede sein kann. Und welcher Porno wartet zudem schon mit einem bezauberenen Ballettanz auf? Einen solchen tanzt tatsächlich ein netter junger Mann mit Terri Hall, die, man glaubt es schnell, früher ein Engagemnet beim Stuttgarter Staatsballett hatte. THE STORY OF JOANNA war also schon damals eher ein Film für Cineasten und weniger für Freunde des puren Hardcores. Letztere verschmähten den Film dann auch und Cineasten finden nunmal selten den Weg ins Pornokino. So floppte der Film völlig zu unrecht, doch für den Regisseur bestimmt nicht völlig überraschend, denn wie an anderer Stelle schon erwähnt, hatte Gerad Damiano mit den üblichen Rein-Raus-Rammelstreifen so wenig am Hut, wie die LINDENSTRASSE mit PULP FICTION und finanzielle Einbußen nahm Damiano im Namen der Kunst gerne in Kauf. Ok, DEEP THROAT war scheiße, aber Filme wie MEMORIES WITHIN MISS AGGIE legen Zeugnis dafür ab, dass Damaino einen hohen Anspruch an seine Filme stellte. THE STORY OF JOANNA ist hierfür ein weiteres herausragendes Beispiel. Regie: Gerad Damiano Darsteller/Innen: Terri Hall, Juliet Graham, Jamie Gillis, John Busche, John Koven, Roy Carlton, Zebedy Colt, u.a. Laufzeit: 73 Minuten
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ROSSA VENEZIA (Deutschland-Italien 2003) Eine Mischung aus Psychohorror, Splatter, Sexplotation und Porno sollte dieses nicht unbedingt ein Meisterwerk zu nennende, doch durchaus bemerkenswerte Filmchen werden und herausgekommen ist tatsächlich ein Film mit viel Trashappeal. Mit Liebe zum Detail wird übelst gemetzelt, bei den zumeist sehr bizarren Hardcoreszenen fehlt vom üblichen Pornomuster jede Spur. Was die Szenen zeigen, sind vor allem Lesben- oder sadistische Vibratorspiele, welche die Hauptdarstellerin gerne mit ihren Opfern spielt. Nur einmal wird in dem Film gevögelt, nur einmal kommt es zum Cumshot. Auf weitere Pornostandarts will sich dieser Film nicht einlassen. Gleich in den ersten fünf Minuten nimmt sich die Heldin des Films ein Herz. Sie schießt einer Prostituierten, die gerade mit ihrem Gatten zu Gange ist, den Kopf weg und macht auch ihm bei der Gelegenheit den Garaus. In der nächsten Szene sehen wir die Täterin auch schon im Knast. Zehn Jahre muss sie für ihre Tat in einer venezianischen Zelle verbringen. Wie es sich für ein anständiges B-Movie gehört, ist die Leiterin der Zuchtanstalt eine sadistische Nymphomanin, die ihre Gefangenen bestialisch foltern lässt um dazu zu masturbieren. Als Zellennachbarin hat die Neuankömmlingin zwei überhaupt nicht schuldbewusste Superbräute. Ihnen wird öffentliche Hurerei vorgeworfen, was sogar für unsere Heldin inzwischen ein Verbrechen ist, hat doch das Treiben einer Hure ihr Leben zerstört. Ihr Hass gegen alle Verlockungen des Fleisches steigert sich bis zum Wahnsinn. Nach der Haftentlassung startet sie einen grausamen Feldzug gegen alle, die sich ihrer Meinung nach mit Schuld befleckt haben. Jedoch tötet sie nicht, ohne sich vorher an ihren Opfern sexuell zu vergehen und sie zu foltern indem sie ihnen z.B. die Brustwarzen versengt oder einer Vagina mit einer Bohrmaschine zu Leibe rückt. Dass das irgendwie einen Widerspruch darstellt, ist der grausamen Lady durchaus bewusst. Sie schreibt darüber in einem Tagebuch und der Gedanke Lust zu empfinden während sie quält und tötet, wo sie doch eigentlich den lasterhaften Schmutz auslöschen will, macht ihr auch kurz zu schaffen. Doch dann mordet sie munter weiter nach dem Motto jetzt ist eh zu spät. Recht unterhaltsam und drastisch ist das und vor allem lustig gespielt von Sabine Ironheart. Ebenfalls unterhaltsam sind die anderen Personen in dem Film. Hier ist zum Beispiel der dem mit Fall betraute Kommissar zu nennen. Der Kerl ist unerträglich trottelig und ob das als Witz so gewollt ist, ist absolut fraglich. B-Movie-Feeling halt. Die Knastchefin spielt ihren Part großartig, soll heißen in bester Ilsa-Manier. Super: unsere Knastdomina ist hübscher und wesentlich zeigefreudiger als Ilsa, u.a. lässt sie sich ausgiebig beim Oralsex zusehen. Sie ist schließlich auch diejenige, die unseren strunzdummen Kommissar auf die richtige Spur führt. Sehr gelungen auch das Auftreten der Schwestern der Hure, die mit ihren Treiben für soviel Unheil sorgte. Auf die Mädels hat es die Killerin natürlich besonders abgesehen, haben sie doch böses Blut in sich. Eine von ihnen kriegt sie auch zu fassen. Sie wird zur Strecke gebracht durch einen mit Kabeln verbundenen Vibrator. Dieser explodiert durch einen gewaltigen Stromstoß und mit ihm das bedauernswerte Mädchen. Der anderen Schwester gelingt die Flucht in dem Moment, als der trottelige Polizist im Haus der Mörderin auftaucht um als letztes Opfer herzuhalten. Diesem ausgesprochen hübschen und sexy Schwesterlein ist es schließlich vergönnt, dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Mit allem, was ein anständiges B-Movie braucht, wirft dieser Film um sich: mäßige schauspielerische Leistungen, diese seltsame Form von Langeweile, lieber zu viel Musik als zu wenig und absurd blöde Dialoge. Letztere verdienen besondere Erwähnung, denn Sätze wie "Blut ist eine Währung, doch auch diese Währung ist nicht vor Inflation gefeit" oder "Die Perspektive ist der Schlüssel zur Vereinigung der Dualitäten" sind schon starker Tobak. Und last but not least: Der König des B-Movies livehaftig, Jess Franco, taucht samt seiner Gattin Lina Romay in dem Film auf. Ein bisschen in die Jahre gekommen sind sie, doch immer noch für einen guten Schundfilm zu haben. Lina Romay schreit überwiegend rum weil man ihre Tochter ermordet hat. Jess Franco sagt die ganze Zeit "nun beruhig dich doch", um sich dann kurz darauf zu erschießen. Regie: Andreas Bethmann Darsteller/Innen: Romana, Marianna Bertucci, Sabine Ironheart, Daniel Ortolan, Jens Hammer, Jess Franco, Lina Romay, Michelle Bond, Yunaisa Frometa, Michelle Kornak, Andreas Bethmann, Natascha Wetzig, Peggy Hofman, Jorge, Florian Bunke, Nathalie Balini, Christian Candini, Martina Herda, Carmen Koskina, Daniel Perée, Ilona Nawrath, Alexandra Perée Laufzeit: 155 Minuten |
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MARQUIS DE SADE (Italien 1994) Der Film ist lange nicht so hart, wie es der Titel vermuten lässt und SM-Szenen sind eigentlich gar nicht vorhanden. Trotzdem wird der Film den Erwartungen gerecht, denn Frauenschwarm Rocco Siffredi vögelt sich in der Rolle des Marquis sehr aufregend durch sein schönes Schloss. Eine Frau erzählte im Gespräch mit der Redaktion von 6filme.org, was sie an Pornos mit Rocco Siffredi so anmacht: Er sieht nicht nur sehr gut aus und ist wahnsinnig gut bestückt, sondern es ist vor allem seine hingebungsvolle, tabulose und harte Art seine Gespielinnen ranzunehmen, die Frauen anregt. Ein Porno mit Rocco sei automatisch auch ein Porno, den Frauen sich gerne anschauen. Regie führte der Italiener Joe D'Amato, also der Regisseur, der in den 70ern mit Filmen wie BLACK EMANUELLE und in den 80ern mit bizarren und sehr brutalen Horrorfilmen wie MAN EATER für Furore sorgte, bis er sich dann ausschließlich dem Porno widmete. D'Amato ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass nach einer Zeit, in der nur Pornoschrott auf den Markt kam, seit den 90ern endlich auch wieder niveauvolle Filme zu sehen sind und dass aus Italien z.Zt. die besten Pornos kommen. Edelpornofilmern wie Antonio Adamo und Mario Saleri ebnete D'Amato quasi den Weg. Streng verwahrte sich der inzwischen verstorbene Regisseur dagegen, dass seine Filme irgendeinen Kunstanspruch haben: "Selbst ein Gerard Damiano kann mir nichts von Kunst in diesem Business erzählen, das ist nur ein fadenscheiniger Vorwand, mit dem er sich rechtfertigen will. Es hat nichts mit Kunst zu tun, einen Porno zu drehen" (Interview im Splatting Image). Und so sind seine Pornos über jeden Zweifel erhaben. Anders als bei Damiano, ist es lupenreiner Hardcore, mit dem D'Amato die Zuschauer konfrontiert. Und D'Amato hat einige gute Hardcore-Filme gedreht. Viele haben mit den Jahren jedoch an Glanz verloren und wirken heute angestaubt. Mit MARQUIS DE SADE ist ihm schließlich ein zeitloses Meisterstück geglückt. Hier geht es wesentlich geradliniger und intensiver zu Sache als in vielen seiner vorherigen Filme. Die Darstellerinnen wirken sehr natürlich und unterwerfen sich hinreißend den Gelüsten des Marquis, der sich hier auch mal als Frau verkleidet oder der ahnungslose Damen den Schwanz eines hässlichen und fetten Zwergen blasen lässt. Unterlegt wird das Geschehen mit barocker Musik, u.a. von de Sades Zeit Zeitgenossen Mozart, was dem Film zusätzlich Atmosphäre verleiht. Regie: Joe D'Amato Darsteller/Innen: Laetitia Swiss, Rocco Siffredi, Jacqueline Wild, Aliona, Rosa Caracciolo, Victoria Queen,Terry,Tanya la Rivière, u.a. Laufzeit: 93 Minuten
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THE SATISFIERS OF ALPHA BLUE (USA 1981) Sich zu wiederholen, ist seine Sache nicht, und darum präsentiert uns Gerad Damiano diesmal kein existentialistisches Psychodrama wie mit THE DEVIL IN MISS JONES oder MEMORIES WITHIN MISS AGGIE, sondern einen existentialistischen und hypnotischen Scince-Fiction-Porno. Doch wer hier jetzt Außerirdischen- oder Roboter-Sex mit Laserdildos erwartet, der wird enttäuscht, denn es agieren ausschließlich menschlich aussehende und großartig spielende Akteure. Und wie im guten Porno üblich, steht sinnlicher und leidenschaftlicher Sex im Mittelpunkt. Besonders für Liebhaber von Gruppen- und Analsex wird hier ein wahres Feuerwerk abgebrannt und das ohne dafür an anderen pikanten Dingen zu sparen. Die Story ist nicht sehr komplex und dennoch bemerkenswert. Der Film spielt auf Alpha Blue, einem Planeten, der zum Sextourismus der besonderen Art einlädt. Die Urlauber dort können ihre sexuellen Wünsche in einen Computer eingeben und schwupps wird ein entsprechendes Geschöpf geschaffen, welches keinen Traum unerfüllt lässt. Alles in Butter also, wäre da nicht der Romatiker Algon (Robert Bolla). Ihm ist so viel Cybersex ein Dorn im Auge. Er kämpft für eine reale und erotische Beziehung mit Gefühlen und so und gegen die unromantische Praxis der virtuellen Befriedigung. Seine Bemühungen zielen auf Diana (Lysa Thatcher in ihrer vielleicht besten Rolle) ab, in die er sich unsterblich verliebt. Sie ist ganz und gar ein Kind der neuen Zeit und will von Liebe darum nichts wissen, doch von zügellosem Sex dafür ums so mehr... Natürlich greift dieser Film ein zentrales Thema unserer Zeit auf: Cybersex. Und der Film denkt das Thema mit den Mitteln des Scince-Fiction-Films konsequent weiter. Für "Heirat" oder "Liebe" ist in dieser Zukunftsversion kein Platz, stellen sie doch nur Relikte einer verlogen-verstörten Vergangenheit dar. Doch ist auf Alpha Blue wirklich alles Gold? Einerseits machen die Personen auf dem Planeten einen gelangweilten Eindruck, doch richtig unglücklich wirken sie auch nicht. Vor allem dann nicht, wenn sie sich in ihren wunderschön gefilmten Sexabenteuern verlieren. Nach dem Orgasmus aber ist da stets die fast mit Händen zu greifende Leere. Andererseits scheint auch unser verliebter Held mit seinen romantischen und moralischen Anwandlungen nicht unbedingt als Vorbild für eine vernünftige Lebensplanung zu taugen. Ob ein Leben wie auf Alpha Blue wirklich erstrebenswert ist, kann also auch dieser Film nicht eindeutig aufzeigen, doch das war wohl auch nicht das erste Ziel von Gerad Daminao. Dieses bestand wohl eher darin, einen intelligenten und schillernd-glamourösen Super-Porno im ultracoolen Trashdesign zu drehen. Das ist ihm großartig gelungen, und dass ein Planet wie Alpha Blue zumindest einen kleinen Urlaubstripp wert wäre, ist ja wohl eh klar. So ist THE SATISFIERS OF ALPHA BLUE genau das, was ein guter Porno sein soll: ein Märchen für Erwachsene. Regie: Gerard Damiano Darsteller/Innen: Lysa Thatcher, Sharon Mitchell, Annie Sprinkle, Tiffany Clark, Hillary Summers, Robert Bolla, Herschel Savage u.a. Laufzeit: 86 Minuten |
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THE GRAFENBERG SPOT (USA 1985) Der Film ist ein fröhlicher Aufklärungsporno mit einem großen Aufgebot an Erotikstars: Ginger Lynn, Annette Haven, Amber Lynn, Nina Hartley, Traci Lords, Harry Reems und John Holmes beleuchten sehr anschaulich das Phänomen der weiblichen Ejakulation bzw. des G-Punktes. Doch was ist eigentlich der G-Punkt? Auf der Suche nach dem Lustzentrum in der Pussy der Frau wurde im Jahr 1950 von dem deutschen Gynäkologen Ernst Gräfenberg eine Zone in der vorderen Pussywand beschrieben, die für besonders intensive Orgasmen verantwortlich sein soll. Gräfenberg glaubte, dass allein die Stimulierung des Kitzlers beim Sex für den Orgasmus nicht genügt. Später wurde diese Zone von den amerikanischen Wissenschaftern John D. Perry und Beverly Whipple zu Ehren Gräfenbergs als G-Punkt bezeichnet. Sicher ist, dass jede Frau einen G-Punkt hat, aber nicht jede dessen Stimulation als anregend empfindet. Genauso, wie nicht jede Frau die Berührung der Brüste als sexuell stimulierend wahrnimmt. Die G-Zone wurde bereits im 17. Jahrhundert von dem niederländischen Anatom De Graaf beschrieben. De Graaf erwähnte zudem auch schon die weibliche Ejakulation. Wo befindet sich die G-Zone? Die G-Zone liegt in einer Entfernung von ca. vier Zentimetern vom Pussyeingang hinter der Vorderwand. Sie ist nicht direkt in der Pussywand, sondern dahinter in der Nähe der Harnröhre. Die weibliche Harnröhre ist von einem Gewebe umgeben, das bei Erregung - ähnlich wie der Schwanz des Mannes - anschwellen und hart werden kann. Was vollzieht sich in der G-Zone während der sexuellen Stimulation? Ist die Pussy noch trocken, so ist die Stimulation der Zone eher unangenehm. Erst mit steigender Lust wird die Reizung der Zone als anregend empfunden. Die Region um die Harnröhre, besonders am Winkel im Übergang zur Blase, schwillt an. Bei längerer Stimulation kann es beim Orgasmus zu einem Erguss von Flüssigkeit kommen. Es handelt sich keinesfalls um Pisse! Manchmal kann es richtig spritzen. Ob es nun spritzt oder nur als extremes Feuchtwerden empfunden wird, ist individuell unterschiedlich. Die Flüssigkeitsmenge ist verschieden und variiert von einigen Tropfen bis zu einigen Millilitern. Das Sekret stammt aus den Drüsen rechts und links der Harnröhre. In der Analyse ähnelt das weibliche Ejakulat dem Sperma des Mannes. Es kann milchig bis hellgelb sein. Der Duft ist von Frau zu Frau verschieden und hängt auch von der Zahl der Ejakulationen und den Lebensgewohnheiten ab. Einige Frauen ejakulieren auch bei anderen Formen der Stimulation, also z. B. durch lecken der des Kitzlers. Die Ejakulation erfolgt aber nicht bei jedem Orgasmus. Es sollte auch nicht das Ziel des Vögelns sein, diese immer erreichen zu wollen. Ob sie erlernbar ist, ist unklar, denn die genaue Physiologie ist noch nicht hinreichend erforscht. Im Idealfall sollen durch die Stimulierung des G-Punkts auch Mehrfachorgasmen möglich sein. Eine Steigerung der Lustempfindung soll erreicht werden, indem sich die Frau selbst oder der Partner die Zone gezielt stimuliert. Diese These ist unter Wissenschaftlern jedoch umstritten. Wie kann man beim Geschlechtsverkehr die G-Zone stimulieren? In der Missionarsstellung ist eine ausreichende Stimulation dieser Region durch den Schwanz - allein schon aus anatomischen Gründen - unwahrscheinlich. Mehr Erfolg verspricht es, wenn die Frau oben sitzt oder sie von hinten gefickt wird. Welche Probleme können bei der weiblichen Ejakulation auftreten? Uninformierte Frauen glauben oft, dass sie zu feucht sind oder pinkeln, wenn sie einen Orgasmus haben. Sie empfinden es als unangenehm oder schämen sich. Auch Männer, die nicht auf Natursekt stehen, können sich unter Umständen durch die vermeintliche Goldene Dusche peinlich berührt fühlen. Aus falschen Schamgefühlen kann es sogar so weit kommen, dass Frauen beginnen, ihren Orgasmus zu unterdrücken. An die zuletzt geschilderten Probleme, knüpft der Film GRAFENBERG SPOT (der eigentlich GRÄFENBERG SPOT heißen müsste, aber das klingt bescheuert) an: Harry Reems will Ginger Lynn mit der Zunge verwöhnen. Sie spritzt, Harry glaubt angepisst zu werden und ist beleidigt. Ginger erlebt das nicht zum ersten Mal mit einem neuen Lover und ihr ist es immer wieder peinlich. Sie will der Sache auf den Grund gehen, und geht darum zu Frau Dr. Annette Haven. Frau Dr. Haven demonstriert Ginger und Harry was es mit dem G-Punkt auf sich hat und wie man die weibliche Ejakulation lustvoll zelebriert. Betört durch so charmante Aufklärung, lassen Ginger und Harry erst einmal getrennt von eineiander die Puppen tanzen. Ginger lässt sich von John Holmes und seinem Kumpel rannehmen und Harry und Rick Savage vögeln Tracy Lords. Auf den Rat von Frau Dr. Haven, besucht Harry zudem ein Sex-Theater. Hier kommt er in den Genuss einer sehr schönen Extravorstellung! Am Ende gibt es dann eine feuchtfröhliche G-Spot-Party und Ginger und Harry sind wieder glücklich. Und glücklich sind auch wir, denn mit GRAFENBERG SPOT geht einer der besten Pornos der 80er-Jahre zu Ende. Die Mitchell-Brothers, die schon in den 70ern mit BEHIND THE GREEN DOOR Maßstäbe setzten, sind mit der Zeit gegangen. GRAFENBERG SPOT ist nicht so experimentell wie BEHIND THE GREEN DOOR, sondern besticht eher durch Humor und durch zahlreiche, vergleichsweise kurze prägnante Szenen, als durch kammerspielartiges Kunstficken. Vor allem die Szene, in der sich Ginger Lynn mit John Holmes vergnügt und Harry Reems Theaterbesuch erinnern aber daran, dass die Mitchell-Brothers Meister ihres Faches sind und dass sie mit ihren Pornos stets den Anspruch haben, die Gemüter jenseits des Mainstreams zu erregen. Das gelingt allein schon durch den Anblick spritzender Pussies - ein Unikum im Pornofilm! Von ejakulierenden Damen einmal abgesehen, spielt sich in dem Film eigentlich das ganz normale Porno-Ding ab: Cumshots, Analverkehr, Doublepenetration. Und Tatsächlich ist der Unterschied zum Standart-Porno graduell, doch auf erfrischende Weise vorhanden. Regie: Artie Mitchell, James Mitchell (The Mitchell-Brothers Darsteller/Innen: Ginger Lynn, Annette Haven, Amber Lynn, Lili Marlene, Nina Hartley, Traci Lords, Harry Reems, John Holmes, Rick Savage, u.a. Laufzeit: 69 Minuten
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HARDCORE - The Films of Richard Kern (USA 1986-1993) Mit einem brachialen Schrei eröffnet diese sehr interessante Zusammenstellung von 13 Kurzfilmen des New Yorker Undergroundfilmers Richard Kern. Ausgestoßen wird der Schrei von Sonic Youth, der besten Noise-Punk-Band der Welt. Richard Kern drehte zusammen mit der Band und Lydia Lunch dieses sehr blutige Video zu Death Valley´69, einem der härtesten Sonic Youth-Songs. Hardcore also gleich zu Anfang - experimentelle, rauhe und brutale Bilder, dazu ein wildes Soundgewitter. Und so geht es im Wesentlichen auch weiter. Nur dass neben Hardcore-Gewalt in den folgenden Filmen auch immer wieder Hardcore-Sex gezeigt wird. Die größtenteils in Schwarz-Weiß gedrehten Punk-Pornoclips heißen dann z.B. The Right Side Of My Brain, The Bitches oder Fingered. In ihnen lassen sich zumeist bewaffnete und nackte Damen und Herren zu tabulosen und häufig sehr grausamen Handlungen hinreißen. Schaut man diese Collection am einen Stück, so ist es schwierig sich ihrer bizarren Wirkung zu entziehen. Immer wieder sehen wir neben Lydia Lunch auch weitere Punkgrößen wie Henry Rollins in kritischen, gewalttätig aufgeheizten Sexszenen voller Hoffnungslosigkeit und Tristes und das stets untermalt mit subtil aggressiver Musik. Über all dem schwebt natürlich ein sehr ernstzunehmender Kunstanspruch, der zart besaitete Erotikfans zutiefst verstören dürfte. Und was einem hier vorgesetzt wird, ist ja teilweise auch nicht ohne: Da lässt sich eine Frau von einer Freundin die Vagina zunähen (The Sewing Circle), andere Szenen enden in blutigen Gewalt- bzw. Vergewaltigungsorgien, die es in dieser Form bislang noch nicht zu sehen gab (Fingered). Viele der gezeigten Filme spielen zudem mit Thema SM, welchem jedoch in The Evil Cameraman und Submit To Me Now auf besondere Art und Weise nachgegangen wird. Im erstgenannten Film stehen zwei sehr sonderbare Fesselungen im Zentrum, im zweiten wird am Ende ein Mann an seinem Penis aufgehängt, es kommt zu Selbstgeißelung und Selbstverstümmelung. Doch nicht in allen Filmen geht es derart brutal zur Sache. The Bitches z.B. ist ein komplett unblutiger Pornoclip der u.a. sehr bizarren Lesbensex und eine ungewöhnliche Ejakulation zu bieten hat und Horoscope ist ein sehr erotisches und harmloses Märchenfilmchen für Frauen. Doch selbst diesen softeren Clips haftet noch der schwere Duft von Anarchie und Alptraum an. Was uns im Laufe dieser Filme entgegenschlägt, scheint die Wut und die sexuelle Energie der durchgeknallten Künstlerclique um Richard Kern herum zu sein. Die Frage jedoch, was uns diese Darbietungen im Detail sagen sollen, ist, wie bei jedem anderen Kunstwerk auch, sinnlos. Wichtig ist, dass sich beim Zuschauer trotz aller Zumutungen und Fragezeichen so etwas wie Kunstgenuss einstellt. Für viele Menschen ist der hier gezeigte Bruch mit Pornosehgewohnheiten bestimmt zuviel des Guten. Für andere wiederum handelt es sich hier vielleicht um eine sensationslüstige Provokation, die niemals Kunst sein kann. Doch für Personen, die nicht nur eine Schwäche für erotische Kunst, sondern auch eine für Punk, Einstürzende Neubauten und Joseph Boys haben, stellt sich der Kunstgenuss beim Betrachten der Filme ganz bestimmt ein. Für die Redaktion von 6filme.org sind diese Filme des Richard Kern jedenfalls das Beste, was Pornopunk je hervorgebracht hat. Regie: Richard Kern Darsteller/Innen: Lydia Lunch, Henry Rollins, J.G. Thirlwell, Karen Finley, u.a. Laufzeit: 180 Minuten
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IM REICH DER SINNE (Japan/Frankreich 1976) Wenn Cineasten oder Kunst- und Filmstudenten sich über Pornofilme unterhalten, dann führt das Gespräch regelmäßig zu einem der Diskurs über das radikale Meisterwerk IM REICH DER SINNE von Nagisa Oshima. Und es ist eben dieser Film, der immer wieder gezeigt wird wenn es um unkontrollierbare Sexualität, Leidenschaft, Gewalt und die Lust am Schmerz geht. Mit Pornografie soll IM REICH DER SINNE natürlich nichts zu tun haben, und so wird der Film dann stets als Kunstfilm etikettiert der sich klar von Pornografie abgrenzt, da er nicht auf voyeuristische Art sexuell zu erregen vermag was ja böse wäre, da Pornografie schließlich böse ist. Doch wer kann eigentlich mit Sicherheit sagen sagen, dass der Film nicht auf voyeuristische Art sexuell zu erregen vermag? Egal, denn das Etikett "Kunstfilm" macht es immerhin möglich, dass Fernsehsender zu später Stunde den Film in einer ungeschnittenen Version zeigen können, was natürlich eine feine Sache ist, doch was auch die Frage aufwirft warum der gleiche Maßstab nicht auch für Filme wie z.B. CAFÉ FLESH, BEHIND THE GREEN DOOR, oder THE DEVIL IN MISS JONES gilt. Kunstpornos also, die sich auf kreative Art dem Thema Sexualität widmen. |