CALIGULA (USA 1979)

 

Caligula ist ein spektakuläres, sensationslüsternes und sehr gewalttätiges Historiendrama und Erotik- und Pornofilm zugleich. Erfolgreich wurde er aber vor allem als gewalttätiges Historiendrama und Erotikfilm, da in den Kinos damals nur unterschiedlich stark gekürzte Fassungen liefen. Und warum auch nicht? Caligula ist auch ohne die Hardcoreszenen ein atemberaubendes Kinoerlebnis. Mit den Hardcoreszenen wird der Film aber nicht nur brandheiß, sondern auch angenehm konsequent und zusätzlich provokant. Und sieht man den Film in der Pornoversion, so sieht man schließlich den teuersten Porno aller Zeiten, denn 17,5 Millionen Dollar kostete das Spektakel, eine Summe, die bis heute nie wieder für einen Film dieses Genres ausgegeben wurde.

Ob es sich bei diesem Film überhaupt um einen Porno handelt, hängt also davon ab, welche Fassung vorliegt. Im Fernsehen lief sogar schon eine 90 Minutenversion dieses in jeder Beziehung maßlosen Werkes. Kurios ist, dass die Hardcoreszenen der Langfassung nicht von Tinto Brass, dem hauptamtlichen Regisseur des Streifens, stammen. In seiner Urfassung, die auf 142 Minuten kommt, drehte Brass viele Sexszenen, doch waren diese nicht explizit genug um im juristischen Sinn pornografisch zu sein. Diese Lücke hat Produzent Bob Guccione geschlossen, indem er nach Ende von Tinto Brass' Dreharbeiten das Filmteam zusammenrief und in seiner Abwesenheit die Szenen drehte, die Caligula zum aufwendigsten Hardcorestreifen der Filmgeschichte machen. Das Golden Age Of Porn war gerade auf seinem Höhepunkt und Caligula sollte der erste Porno werden der Handlung und Sex glaubhaft verbindet, der erste wirklich abendfüllende Hardcorestreifen sozusagen. Das Schöne daran: Die Hardcoreszenen, der jetzt 156 minütigen Fassung, fügen sich ein als wären sie schon immer dagewesen. Nahtlos knüpft Guccione an erotische Stellen an und vollendet auf wunderbare Weise das, wovor Tinto Brass zurückschreckte oder wozu er keine Lust hatte.

Und ebenfalls bemerkenswert: Caligula ist der bisher einzige Porno mit einem echten Staraufgebot, was allerdings nicht ganz freiwillig geschah. Peter O'Toole z.B. war zwar darüber informiert, dass Tinto Brass in diesem Film sehr explizit zu Werke gehen wollte, doch von Pornografie war nie die Rede. Ebenfalls verwundert, wenn auch nicht so verärgert wie O'Toole, war Malcom McDowell, der als Caligula in vielen schönen Soft-Sexszenen mit Ex-Playmate Teresa Ann Savoy zu sehen ist. McDowell führte sein Mitwirken später auf sein damaliges Drogenproblem zurück, was als Ausrede zu werten ist, denn als Junkie wäre er kaum zu solcher Hochform aufgelaufen. McDowell spielt den römischen Tyrannen mit ebensolcher Hingabe wie den Alex in Clockwork Orange. Irgendwann hat er auch Sex mit einem Pferd, was Sinn macht, da deratige Neigungen dem echten Caligula tatsächlich nachgesagt werden. Details sehen wir hier jedoch nicht, was auch Sinn macht.

Nach allem was wir heute wissen, ging es unter dem römischen Kaiser Caligula tatsächlich so zu wie es der Film schildert. Er zeigt in zum Teil wunderschön choreographierten Szenen und opulenten Bildern, wie Machtmissbrauch und Dekadenz die Zeit prägten und wie der Wahnsinn in den Mann fährt, der an der Spitze des Ganzen steht. Am Ende wird dieser Mann von anderen Wahnsinnigen und deren Nutznießern ermordet. Rom, wie es singt und lacht!

 

Regie: Tinto Brass

Darsteller/Innen: Malcom McDowell, Teresa Ann Savoy, Peter O'Toole, Helen Mirren, u.a.

Laufzeit: 156 Minuten

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